Auf dem Rückzug: Die Einheits-Elloks 110/139/140

Mittlerweile ist es schon ein Glücksfall, wenn einem ein Zug mit einer 110 oder 139/140 begegnet. Neubaufahrzeuge und die Flaute im Güterverkehr machten viele Loks entbehrlich. Text: M. Kochems
Bild mit historischem Potenzial: Zwischen Ulm und Stuttgart passiert 140 070 mit ihrem Ganzzug im Frühjahr 2009 den Bahnhof Urspring. Der Bestand der Einheits-Ellok schwindet, das hiesige Bahnhofsgebäude sollte einer Lärmschutzwand weichen... © Florian Martinoff
Vor Jahresfrist war ein längerfristiger Unterhalt der Baureihe 140 im Gespräch, zum Teil verbunden mit umfangreichen Modernisierungen. Doch bedingt durch die Wirtschaftskrise und den damit einher gehenden drastischen Einbruch im Güterverkehr bot sich 2009 das entgegengesetzte Bild.

Auf und ab bei der 140
Im Februar lag der Einsatzbestand noch bei 167 Lokomotiven, Anfang Oktober war – nach zahlreichen Abstellungen – der Tiefpunkt erreicht. Der offizielle Einsatzbestand umfasste 39 Loks der Baureihe 140, und zwar 140 214, 217, 353, 374, 401, 459, 495, 501, 502, 535, 537, 539, 590, 621, 637, 678, 680, 681, 716, 772, 788, 789, 790, 791, 797, 799, 801, 806, 811, 816, 821, 833, 834, 837, 843, 850, 856, 858, 861.  Hinzu kamen sieben Exemplare der mit elektrischer Bremse ausgerüsteten Schwesterbaureihe 139, im Einzelnen 139 132, 222, 309, 313, 314, 554, 562. Zahlreiche Maschinen beider Baureihen wurden gesammelt abgestellt, darunter sogar Exemplare, die noch jüngst eine Untersuchung erhalten hatten. Nachdem der zunächst eingerichtete zentrale Abstellplatz in Rostock Seehafen bald nicht mehr ausreichte, wurden die weiteren Maschinen auf freien Gleisen in den Betriebshöfen geparkt. Es wurde sogar darüber spekuliert, zum Jahresende 2009 alle noch vorhandenen Einheits-Elloks bei DB Schenker abzustellen, weil der Bestand an Neubau­maschinen mehr als ausreichend war.

Wegen des wieder steigenden Bedarfs reaktivierte das Unternehmen dann aber im Oktober 20 Loks der Baureihe 140, im Einzelnen 140 018, 043, 218, 261, 291, 440, 450, 490, 528, 677, 761, 774, 779, 784, 792, 809, 848, 854, 857, 876; dazu kamen drei Maschinen der Baureihe 139 (139 246, 262, 311). Bis zu 50 weitere Loks sollten in den weiteren Herbstwochen folgen, sodass es fast als gesichert gelten kann, dass die Güterzugloks auch 2010 in größerer Zahl eingesetzt werden. Zur Jahresmitte hatte DB Schenker auch die Loks 140 024 (neurot) und 140 423 (ozeanblau-beige) abgestellt, womit der Einsatzbestand vorübergehend nur  verkehrsrote Exemplare umfasste. Ende Oktober wurde dann aber 140 423 zur Freude aller Fotografen wieder in Betrieb genommen.

Die 110 im »Sinkflug«
Etwas anders sieht die Lage bei der Baureihe 110 aus. Ihre Einsatzgebiete im Personenverkehr schrumpfen bereits seit Jahren kontinuierlich, vornehmlich durch den Zugang neuer Elektrotriebwagen. Im Sommer 2009 endete offiziell der traditionsreiche Einsatz beim Betriebshof Stuttgart, auch wenn danach immer wieder einzelne Leistungen mit den Lokomotiven bespannt wurden. Anfang November gab es aber Planungen, wegen fehlender Neubaufahrzeuge ab Fahrplanwechsel im Dezember erneut einen kleinen Umlaufplan aufzustellen. In den alten Bundesländern gibt es weiterhin einen sich auf mehrere Einsatzbereiche verteilenden, relativ stabilen Bestand, der Anfang 2009 bei 108 Maschinen lag. Aber auch dieser wird sich in den kommenden Jahren durch den Zugang weiterer Neufahrzeuge verkleinern; außerdem ist es möglich, dass die DB bei Ausschreibungen Einsatzstrecken an Mitbewerber verliert. Eine langfristige Prognose scheint somit kaum möglich. Immerhin: 2010 kann man die Baureihe auf jeden Fall in erwähnenswerter Anzahl im Betrieb erleben.

Ende Oktober 2009 waren rund 95 Maschinen einsatzbereit vorhanden, darunter aber weniger als zehn Maschinen in der älteren Bauform mit dem eckigen Lokkasten (E 101). Die Bügelfalten-Version (E 103) dürfte sich demnach wohl auch länger im Dienst halten. Mehr oder weniger umfangreiche Einsätze absolvierte die Baureihe bei den Betriebshöfen Braunschweig, Dortmund, Köln, Frankfurt (Main), Trier und München. Überraschend wurde im Herbst 2009 auch vom Betriebshof Ludwigshafen übergangsweise eine Lok zwischen Mannheim und Mainz eingesetzt; sie stammte meist aus Frankfurt. Im Dezember 2009 sollten aber Loks der Baureihe 111 dort heimisch werden und diese Aufgaben mit übernehmen.

Weiterhin zum Einsatz kommen bei DB Regio nicht mehr benötigte 110er, die zur Baureihe 115 umnummeriert wurden. Sie fahren unter anderem Autoreisezüge bei der Konzernschwester DB Autozug.

Michael Kochems

Artikel aus Bahn Extra 01/2010
Tags: 
Weitere Themen aus dieser Rubrik

Allegra

Falls Sie nicht aus Graubünden kommen – wundern Sie sich nicht. „Allegra“ ist eine übliche rätoromanische Begrüßung, eine Form von „Freue Dich“, und die Rhätische Bahn... weiter

Schnelltriebwagen: Von den Reichsbahn-SVT bis zum Bundesbahn-403

Wenn Sie das nächste Mal an den Bahnhof Berlin-Lichtenberg kommen, sollten Sie es nicht versäumen, über die Bahnsteige hinweg einen Blick auf eines der seitlichen... weiter

Bahn-Jahrbuch 2017

Ende für den DB-Nachtzug, Anfang mit dem ICE 4 und vieles mehr: Das Bahn-Jahrbuch berichtet über das aktuelle Bahn-Geschehen.