Berliner S-Bahn ab 1990

Streckeneröffnungen, Kooperationen, neue Fahrzeuge: Nach der Wiedervereinigung Deutschlands nahm die Berliner S-Bahn einen faszinierenden Weg und wurde zum modernen Verkehrsmittel der Millionenstadt. Aber nach dem Jahr 2000 wendete sich das Blatt; die Krise begann.
Im geteilten Berlin führten die S-Bahn-Netze von Ost und West nur im Bahnhof Friedrichstraße zusammen – streng bewacht und mit Fahrzeugaustausch allein als Dienstfahrt. Im Juli 1992 liegt das lange zurück; Friedrichstraße ist eine freundliche.. © B. O. Sydow
Schon einen Tag nach dem Mauerfall am 9. November 1989 begann zwischen der von der Deutschen Reichsbahn betriebenen S-Bahn in Ost-Berlin und den (West-)Berliner Verkehrsbetrieben eine Zusammenarbeit, die zuvor kaum vorstellbar gewesen wäre. An jenem 10. November erhielt die BVG unbürokratische Hilfe von der Reichsbahn. Acht Viertelzüge der Baureihe 275 wurden vom Ost- in das Westnetz überstellt, da der Ansturm der DDR-Bürger auf die BVG-S-Bahn sonst nicht zu bewältigen gewesen wäre.

Am 11. Dezember 1989 fuhr sogar nach mehr als 28 Jahren wieder ein mit Fahrgästen besetzter S-Bahn-Zug durch den Bahnhof Friedrichstraße durch. Mehrere hundert West-Berliner Kinder, die eine Veranstaltung in Ost-Berlin besuchten, hätten sonst auf dem Bahnhof Friedrichstraße von der BVG-S-Bahn in die S-Bahn der Reichsbahn umsteigen müssen.

Verknüpfung von Ost und West
So rasant wie die politische Kooperation entwickelte sich in der Folge auch die Zusammenarbeit der S-Bahn-Betreiber. Im Februar 1990 verabschiedete der West-Berliner Senat in Abstimmung mit dem Ost-Berliner Magistrat und den zuständigen Stellen der DDR ein Programm zur Wiederherstellung der S-Bahn-Strecken Frohnau – Hohen Neuendorf, Lichtenrade – Mahlow – Blankenfelde, Neukölln – Baumschulenweg, Wannsee – Potsdam Stadt und zur Verknüpfung der S-Bahn-Strecken im Bereich Bornholmer Straße.

Für die Vorarbeiten wurden zunächst 50 Millionen DM bereitgestellt. Indes nahm die Reichsbahn am 22. Januar 1990 einen S-Bahn-Vorlaufbetrieb mit diesellokbespannten Doppelstockzügen zwischen Wannsee, Potsdam Stadt (heute Potsdam Hbf) und Potsdam Hbf (heute Potsdam Pirschheide) auf. Der durchgehende S-Bahn-Verkehr über den Bahnhof Friedrichstraße ab Anfang Juli 1990 war der erste Schritt, um auch das ­geteilte S-Bahn-Streckennetz wieder zu vereinigen.

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