Der F 47/48 »Konsul«: Ein Zug – drei Traktionen

Die Bundesbahn richtete 1963 den ­neuen Fernschnellzug »Konsul« ­zwischen Mannheim und Hamburg ein. Die Elektrifizierung auf dieser Relation war damals noch in vollem Gange; Dampf-, Elektro- und Diesellokomotiven wechselten sich in der Bespannung ab.
Am 15. März 1964 wurde dieser Laufplan ungültig gestempelt. Die 01 kamen nach Kaiserslautern und im neuen Personaldienstplan 51 blieben den Ludwigshafener Personalen einige Leistungen auf der 010, darunter auch der F-Zug 47/48 »Konsul« © Bahn Extra

Am Anfang stand eine Neuerung:

Im Mai 1963 erreichte der Fahrdraht von Süden her Hannover. Die Deutsche Bundesbahn (DB) nahm das zum Anlass, den schnellen Geschäftsverkehr auf der Nord-Süd-Strecke neu zu ordnen. Der Fernschnelltriebwagen 41/42 »Senator« wurde zum Schnellzug herabgestuft und blieb auf der noch nicht elektrifizierten Main-Weser-Bahn Frankfurt (Main) – Gießen – Kassel. Neu eingeführt wurde ab Mannheim über Frankfurt (Main) – Hannover – Hamburg das Fernschnellzugpaar 47/48; mit rund vier Stunden Aufenthalt in der Hansestadt diente es vornehmlich Geschäftsreisenden.

Fahrt mit zwei bis vier Wagen

Die Fahrt begann in Mannheim um 7:03 Uhr hinter einer Ludwigshafener Dampflok der Baureihe 010. Ganze zwei blaue 1.-Klasse-Wagen (Gattung Aüm) hingen an ihrem Haken. Mit der plan­mäßigen Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h war dies der schnellste von Zweizylinderdampflokomotiven beförderte Zug der DB.

Um 7:55 Uhr traf er in Frankfurt (M) Hauptbahnhof auf Gleis 6 ein und machte Kopf; die neue Zuglok, eine E 101 vom Bw Hannover, stellte den Halbspeisewagen ARüm und einen weiteren Aüm an das andere Zugende. Ab August 1963 sah man auch die nagelneuen Bügelfalten-Elloks E 103 vor dem Zug.

Ohne Halt ging es um 8:05 Uhr über Offenbach (M) – Hanau – Fulda – Bebra ins 348 Kilometer entfernte Hannover, das um 11:31 Uhr erreicht wurde.

Die Höchstgeschwindigkeit betrug in den Direktionen Frankfurt (M) und Hannover 140 km/h, im Abschnitt Steinau (Kr Schlüchtern) – Eichenberg, der zur Bundesbahndirektion Kassel gehörte, nur 120 km/h. In Hannover wechselte nochmals die Traktion: Eine Diesellok V 2000 vom Bw Hamburg-Altona übernahm den »Konsul« und beförderte ihn  ab 11:39 Uhr mit bis zu 135 km/h nach Hamburg Hbf, Ankunft 13:25 Uhr. Nach kurzem Halt in Dammtor beendete der F 47 um 13:42 Uhr in Hamburg-Altona seine Reise.

Die Rückfahrt als F 48 geschah in umgekehrter Bespannung und Reihung ab Hamburg-Altona, Abfahrt 17:21 Uhr. Nach Halten in Dammtor und Hamburg Hbf (ab 17:37 Uhr) erreichte die V 2000 um 19:23 Uhr Hannover Hbf. Acht Minuten Zeit blieben für den Lokwechsel auf eine E 10 und wiederum nonstop fuhr der Zug nach Frankfurt (M) Hbf, wo er um 22:59 Uhr eintraf.

Ein 1.-Klasse- und der Halbspeisewagen blieben mit der Lok am Prellbock stehen. Am anderen Ende übernahm die 010 die beiden restlichen Wagen mit dem Ziel Mannheim.

Im Winterfahrplan 1963/64 änderte sich nichts am Fahrplan und an der Zugbildung. Lediglich zur Hannover-Messe 1964 begann der F 47 bereits in Ludwigshafen. Er war um zwei Aüm-Wagen verstärkt worden, die in Hannover-Wülfel bei einem Betriebshalt abgekuppelt und zum Messebahnhof überführt wurden. Ab Frankfurt (M) bis Hamburg-Altona verkehrte an diesen Tagen ein weiterer Aüm. Auf der Rückfahrt koppelte man die beiden Messe-Wagen mit der E 10 bereits in Hannover Hbf an den Zug. 

Fortschreitende Elektrifizierung

Die Auslastung des »Konsul«, besonders im Abschnitt Mannheim – Frankfurt, war anfangs nicht befriedigend. Deshalb stufte die Bundesbahn das Zugpaar ab Sommerfahrplan 1964 südlich von Frankfurt herab zum D-Zug mit 1. und 2. Klasse. Ein Wagen 2. Klasse (Büm) ersetzte den ersten Aüm-Wagen.

In Frankfurt (M) Hbf blieb er mit der Dampflok stehen. Die E 10 zog somit nur noch drei Wagen nach Hannover: 1. Klasse (Aüm), Halbspeisewagen (ARüm), 1. Klasse (Aüm). Dort übernahm weiterhin eine Altonaer V 2000 den Zug. Die Fahrzeit verschob sich etwas. Gewonnene Minuten bis Hannover wurden nördlich davon wieder aufgebraucht; dort war die Elektrifizierung mit vielen Baustellen im Gange. Am 15. September 1964 tauchten die ersten Elloks an den Personenzügen der Riedbahn Mannheim – Frankfurt (M) auf.

Mit dem Fahrplanwechsel am 27. September 1964 bespannten E 101 den »Konsul« zwischen Ludwigshafen (Rh) und Frankfurt (M). Noch im gleichen Fahrplanabschnitt erreichte der Fahrdraht Hamburg. Ab 7. April 1965 übernahmen sukzessive Elloks die Führung der Züge und F 47/48 auf ganzer Strecke. Der Strukturwandel beim »Konsul« war abgeschlossen.    

Von Ronald Krug

Ein Artikel aus BAHN EXTRA 06/10

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