Die Baureihe 175: Ende einer Ära

Am 26. September 1981 ging bei der Deutschen Reichsbahn eine Ära zu Ende. Am letzten Tag des Sommerfahrplans zog sie die Baureihe 175 aus dem Expresszug-Verkehr mit „Karlex“ und „Karola“ ab. Rund eineinhalb Jahrzehnte hatten die hochwertigen Triebwagen die Verbindung ins westböhmische Bäderdreieck hergestellt.

175 005 als Ext 69 „Karola“ auf dem Weg von Karlovy Vary nach Leipzig am 14. September 1981 © Rainer Heinrich​
Im internationalen Reiseverkehr der Deutschen Reichsbahn gehörte die Baureihe 175 zu den renommiertesten Zügen, die es gab. Ext 66/67 „Karlex“ von Berlin über Leipzig nach Karlsbad (Karlovy Vary) und Ext 68/69 „Karola“ von Leipzig über die Elstertalbahn nach Karlovy Vary. Für das Renommee sorgten vor allem die Fahrzeuge der 175. Die meiste Zeit setzte die Deutsche Reichsbahn Schnelltriebwagen des Typs VT 18.16 ein – mit das Hochwertigste, was sie im Bestand hatte.

Der Weg zu „Karlex“ und „Karola“

Die Fernverbindung zu den westböhmischen Badeorten entstand 1914. In der DDR war es ab Sommerfahrplan 1955 wieder möglich, den Eisenbahngrenzübergang Bad Brambach – Vojtanov für den Fernverkehr zu nutzen. So fuhr ab dem 31. Mai 1959 erstmals ein Triebwagen von Berlin nach Karlovy Vary. Das war zugleich die Geburtsstunde des Namen tragenden Zuges „Karlex“. Aber erst zum 1. August 1969 übernahmen die Triebwagen VT 18.16 (ab 1970: 175) planmäßig den Dienst. Durch den Einsatz dieser formschönen und modernen Schnelltriebwagen der Bauart „Görlitz“ wurde der Bäderverkehr zusätzlich aufgewertet. Zum 1. Januar 1972 wurde der visafreie Reiseverkehr in die CSSR eingeführt. Ihm folgte schnell eine weitere Triebwagenverbindung. Zum 28. Mai 1972 richtete die Deutsche Reichsbahn den „Karola“ von Leipzig nach Karlovy Vary ein. Die Umläufe von „Karlex“ und „Karola“ wurden verknüpft. Ab 27. Mai 1979, nach der Umwandlung des „Vindobona“ Berlin – Wien in einen lokbespannten Zug, hatte die Deutsche Reichsbahn genügend Triebwagen 175, um den „Karlex“ bis Plauen/Vogtland in Doppeltraktion zu fahren. Meist setzte man eine vier- und eine fünfteilige Einheit ein. Teilweise fuhren auch zwei Fünfteiler.

Umstellungen im Betrieb

Mit Schließung des traditionsreichen Triebwagen-Bahnbetriebswerks Berlin-Karlshorst zum 31. März 1981 wechselte die Triebwagengruppe nach Berlin-Rummelsburg. Doch begann die Deutsche Reichsbahn noch 1981 mit dem Bau einer neuen Anlage zur Behandlung von Reisezügen für das Bahnbetriebswagenwerk Berlin-Rummelsburg. Die alte Triebwagenhalle wurde abgebrochen. So zogen die 175 erneut um. Ab 1. Juli 1981 wurde die technische Behandlung der Triebwagen von Berlin-Rummelsburg zum Bw Engelsdorf bei Leipzig verlegt, wo eine moderne Wartungshalle mit Unterflurradsatzdrehbank zur Verfügung stand. Auch einen Ersatztriebkopf stationierte man im Bw Engelsdorf. Um das Tanken der Fahrzeuge zu erleichtern, wurde die Doppeltraktion des „Karlex“ im Sommerfahrplan 1981 von Plauen/Vogtl nach Adorf/ Vogtl verlängert, wo der zweite Triebwagen in der Einsatzstelle seine Treibstoffvorräte ergänzte. Zu diesem Zweck tauschte man die Triebwagen täglich in Leipzig.

Veränderter Umlauf im Sommer 1981

Es galt nun folgender Umlauf: Ex 67 „Karlex“ verließ Berlin mit zwei gekuppelten Triebzügen. Über Leipzig gelangten sie nach Adorf, wo die hintere Garnitur abgehängt wurde und zum Tanken fuhr. Sie wartete dann auf den aus Karlovy Vary eintreffenden Ex 66 „Karlex“, um mit ihm gemeinsam nach Berlin zurückzukehren. Die vordere Einheit des Ex 67 fuhr inzwischen weiter nach Karlovy Vary und kam anschließend als Ex 68 „Karola“ nach Leipzig zurück, wo sie der Werkstatt zugeführt wurde. Der 175, der am Vortag eingetroffen war, hatte inzwischen die Behandlung hinter sich und fuhr nun als Ex 69 „Karola“ nach Karlovy Vary. Von dort ging er als Ex 66 nach Berlin. So wurde der Betrieb bis zum Ende des Sommerfahrplans am 26. September 1981 durchgeführt. Diese Vorgehensweise fiel jedoch schon in die Spätphase des 175er-Einsatzes. Seit Ende der 70er-Jahre zeichnete sich eine Trendwende hin zu lokbespannten Schnellzügen ab.

Dies und die weggebrochene Unterhaltungsmöglichkeit für Triebwagen in Berlin brachten noch zum Ende des Sommerfahrplans 1981 das „Aus“. Die Deutsche Reichsbahn beendete den Dienst der Schnelltriebwagen bei „Karlex“ und „Karola“ und stellte damit auch ihre letzte internationale Triebwagenverbindung ein. Der letzte Betriebstag war Samstag, den 26. September 1981.

Abschiedstour am letzten Betriebstag

Den letzten Umlauf Ext 69 / Ext 66 fuhr der langjährige Dienstplangemeinschaftsleiter „Karlex“ Heinz Götze mit seinen Kollegen Stephan Pflock und Gerhard Dapergotz. Im zweiten Triebwagen des Ext 67 aus Berlin reisten das dienstfreie Triebwagenpersonal, der Triebwagenführer sowie Mitarbeiter des Mitropa-Fahrbetriebs Berlin an, um die Abschiedstour durchs Vogtland mitzuerleben.

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Rainer Heinrich
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