Die Deutsche Bahn und das Wetter 2010: Saunafahrt und Kältekrise

Die Bundesbahn warb einst selbstbewusst mit dem Slogan »Alle reden vom Wetter. Wir nicht!« Und wie steht es um die Deutsche Bahn AG?
Im Sommer 2010 ist ein ICE 2 auf der Strecke Hannover – Bielefeld unterwegs. Die Hitzewelle Ende Juni/Anfang Juli machte den Zügen der ersten beiden ICE-Generationen (und ihren Klimaanlagen) schwer zu schaffen       Foto: Jürgen Hörstel © Jürgen Hörstel

Am Anfang eine Zeitreise: Erinnern Sie sich noch daran, als D-Züge mit blauen und grünen Wagen die großen Städte verbanden? Oftmals hatten diese noch eine Dampfheizung für den Winter und Übersetzfenster, die man im Sommer öffnen konnte. So sah ein Großteil des Fernreiseverkehrs Ende der 60er-Jahre aus. Jener Jahre, in denen die Deutsche Bundesbahn einen ihrer erfolgreichsten Werbesprüche aus der Taufe hob: »Alle reden vom Wetter. Wir nicht!« Die selbstbewusste Aussage war seinerzeit gar nicht so abwegig; bei Schnee und Eis blieben Autos oft im Stau stecken, Flugzeuge am Boden. Die Bahn aber fuhr – meistens.

Heute versprechen ICE-Züge schnelles Reisen, mit einer Art Rundumversorgung, wie man sie aus eben jenem Flugzeug kennt. Hermetisch abgeschlossene Großräume haben fast durchweg die heimeligen Abteile ersetzt. Anstelle von Übersetzfenstern und Dachlüftern pumpt die Klimaanlage je nach Temperaturlage kühle oder warme Luft hinein. Das Wetter, so scheint es, wird ausgesperrt – und ironischerweise ist gerade das ein Grund dafür, dass die Deutsche Bahn AG heute über das Wetter reden muss.

Hitzeprobleme und Kälteärger
Seit 2008 häufen sich die negativen Schlagzeilen bei den ICE-Fahrzeugen. Waren es zunächst die Probleme mit den Radsatzwellen, so traten im etwas schneereicheren Winter 2009/10 erste Schwierigkeiten mit häufigen Zugausfällen auf. Sie betrafen nicht nur den ICE, aber ihn besonders. Auch wenn die Witterungsverhältnisse etwas rauer waren als allgemein üblich – Missstände bei der DB trugen dazu bei, dass es Behinderungen im Bahnverkehr gab.

Im Juli 2010 schlug dann »General Sommer« zu: Am Wochenende um den 10. Juli herum war es heiß in Deutschland, so heiß wie zuletzt im Hitzesommer 2003. In rund 30 ICE-Zügen kam es zu Problemen mit überlasteten Klimaanlagen, am stärksten betraf es wohl den ICE 846 (Berlin – Köln), der in Bielefeld seine Fahrt beenden musste. Einige Schülerinnen und Schüler, die auf der Rückfahrt einer Klassenreise nach Berlin waren, mussten von Notärzten versorgt werden, einige sogar stationär. Durch die Medien rauschten Schlagzeilen wie »Glut, Schweiß und Tränen«, ein großes Hamburger Nachrichtenmagazin schrieb »ICE wird für die Bahn zum Imagekiller«, die überhitzten Schüler schafften es in die Tagesthemen und nicht einmal das Finale der Fußball-WM verdrängte das Thema aus den Medien.

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