Die Verbindung Ost-West

Rund 41 Jahre lang, vom Ende der Berliner Blockade bis zur Wiedervereinigung, fuhren jeden Tag Schnellzüge über die inner­deutsche Grenze. Die Interzonen­züge trugen dazu bei, den Kontakt zwischen West- und Ostdeutschland bzw. nach West-Berlin aufrecht zu erhalten. Angesichts der vielen ernsten Bedrohungen im „Kalten Krieg“ war das. Von Andreas Knipping
Zugangebote im Interzonenverkehr: eine DB-140 im Jahr 1981 mit dem aus DB-Neubauwagen gebildeten D 402 Leipzig – Nürnberg ... Foto: T. Wunschel © T. Wunschel
Vielen Westdeutschen der Jahrgänge 1970 und früher ist das Wort noch ein Begriff: „Ostzone“ oder, despektierlich verkürzt, „Zone“. So bezeichnete man im Westen oft die DDR, die aus der sowjetisch besetzten –  ostdeutschen – Zone hervorgegangen war. Das Wort verwies auf die nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland eingerichteten Besatzungszonen nebst dem separat aufgegliederten Berlin. Zwischen diesen Gebieten wurde Ende der 40er-Jahre ein Fernreiseangebot eingerichtet. Im Alltag der beiden neu entstandenen deutschen Bahnverwaltungen spielte der „Interzonenzug“ eine wechselvolle Rolle, politisch entwickelte er so etwas wie eine brisante Normalität. 

Allgemein war das Nachkriegsdeutschland geprägt von vielen, oft improvisierten oder aus der Not geborenen Reisen. Beispielhaft dafür stehen Flüchtlinge, Kriegsheimkehrer, Arbeitssuchende. Für die Reisen gab es fast nur die vom Krieg schwer getroffene Reichsbahn. Besonders schwierig waren Fahrten über die Grenzen der vier Besatzungszonen hinweg bzw. nach Berlin, in dessen vier Sektoren man aus dem westlichen Teil Deutschlands nur durch die sowjetische Zone kam.
Die Einteilung in Besatzungszonen war ursprünglich im Sinne einer Arbeitsteilung bei der Entmilitarisierung und Demokratisierung Deutschlands gedacht. Doch Gegensätzlichkeiten und Misstrauen zwischen den westlichen Besatzungsmächten hier und der Sowjetunion da nahmen von Monat zu Monat zu – und demgemäß auch die Gründe, den Verkehr über die Demarkationslinie zu kontrollieren und zu begrenzen. Wer da herein wollte, mochte im besten Fall ein Hun­ger­- flüchtling und im schlimmsten Fall ein gegnerischer Spion sein, wer da heraus wollte, mochte ein gesuchter Krimineller sein oder wertvolles Schmuggelgut mitführen.

Der „Interzonenverkehr“, eine lateinisch-deutsche Begriffskombination, bezog sich schnell auf eine einzige Form des Schienenverkehrs über die deutschen Zonengrenzen hinweg: jene zwischen West und Ost, sprich, den drei Westzonen und der sowjetischen Zone bzw. den Westzonen und (West-)Berlin. Dieser Zugverkehr war zunächst auf die Verbindung Hannover – Magdeburg – Berlin über die Kontrollpunkte Helmstedt (im Westen) und Marienborn (im Osten) beschränkt, mithin auf jene privilegierte Strecke, auf der die Sowjets den amerikanischen, britischen und französischen Militärverkehr in die Westsektoren von Berlin erlaubten.

Seiten

Tags: 
Weitere Themen aus dieser Rubrik

Eintrittskarten zu gewinnen!

Jetzt mitmachen und kostenlose Eintrittskarten für die 22. modell-hobby-spiel gewinnen. Vom 29. September bis zum 1. Oktober finden Modell- und... weiter

Allegra

Falls Sie nicht aus Graubünden kommen – wundern Sie sich nicht. „Allegra“ ist eine übliche rätoromanische Begrüßung, eine Form von „Freue Dich“, und die Rhätische Bahn... weiter

Schnelltriebwagen: Von den Reichsbahn-SVT bis zum Bundesbahn-403

Wenn Sie das nächste Mal an den Bahnhof Berlin-Lichtenberg kommen, sollten Sie es nicht versäumen, über die Bahnsteige hinweg einen Blick auf eines der seitlichen... weiter