Die Weltrekordfahrt: Höchstmarke 200,4!

Anno 2011 ist es 75 Jahre her: Am 11. Mai 1936 stellte die Stromlinienlok 05 002 zwischen Hamburg und Berlin einen Geschwindigkeits-Weltrekord auf. Die 200,4 km/h waren buchstäblich der Höhepunkt einer „Dreiecksfahrt“. Von Dr. Alfred Gottwaldt
Am 11. Mai 1936 wartet die Borsig Stromliniendampflok 05 002 mit ihrem Sonderzug an Bahnsteig 3 des Hamburger Hauptbahnhofs. In Kürze wird sie zur letzten Etappe der „Dreiecksfahrt“ aufbrechen und dabei die Weltrekordmarke von 200,4 km/h erreichen... © Slg. Oliver Strüber

Reichsbahnrat Paul Roth war als Messgruppenleiter dabei. Und das ganz vorn. Er ist am 11. Mai 1936 mitgefahren, aber nicht im Zug, sondern auf der Dampflok 05 002. So hatte er die Ehre, mit Lokführer, Heizer und weiteren Anwesenden auf dem Führerstand eine denkwürdige Fahrt zu erleben. Bezeichnend für das Ereignis – und dessen Resonanz in der Öffentlichkeit – ist aber auch, dass Roth seine Eindrücke und Erkenntnisse nicht wenige Tage später formulierte, sondern rund 25 Jahre danach. In der Zeitschrift „Die Bundesbahn“ von 1961 ließ er das Geschehen Revue passieren, samt der Entwicklung, die dazu geführt hatte.

Erprobung mit Problemen
So schreibt Roth in seinem Beitrag: „Wie bei neuen Lokomotivgattungen üblich, kamen die Lokomotiven 05 001 und 05 002 zunächst zum Lokomotivversuchsamt Grunewald, um dort gründlich erprobt zu werden (...) Dem Streben des Versuchsamts kam durchaus entgegen, daß immer wieder ebenso vom Reichsbahn-Zentralamt wie von der damaligen Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn die Aufforderung kam, im Hinblick auf die Geschwindigkeit unter Last aus der 05 das letztmögliche herauszuholen (...) Sehr wahrschein-lich hat dem Bauartdezernenten Dr. Wagner und auch den Tegeler Konstrukteuren bei allen ihren Berechnungen insgeheim die 200-km/h-Grenze vorgeschwebt. Leicht war dieses Ziel freilich nicht zu erreichen. Als Folge ihrer Überzüchtung war das Beschleunigungsvermögen der Baureihe 05 bis 100 km/h nicht befriedigend (...) Die Schallmauer von 195 km/h war lange Zeit nicht zu durchbrechen.“
Während der zahlreichen Hochgeschwindigkeitsfahrten im Frühjahr 1936, an denen auch Reichsbahn-Generaldirektor Julius Dorpmüller gelegentlich teilnahm, traten einzelne Probleme mit gebrochenen Lenkerbolzen, zerborstenen Federpaketen und gerissenen Radreifen auf, die den Versuchsdienst etwas entmutigten. Dazu Paul Roth: „Immerhin kam nunmehr von oben keinerlei Anregung mehr, auf 200 km/h zu gehen. Mit durchgestandenen 195 km/h war die Baureihe 05 ohnehin die schnellste Lokomotive der Welt (...) Aber wie es oft im Leben geht: Die 200-km/h-Grenze wurde schließlich fast zufällig und ohne besondere längere Vorbereitung überschritten. Im Mai 1936 fanden wieder einmal Vorführungsfahrten statt. Dabei wurden auf einer Rundfahrt Berlin –  Hannover – Bremen – Hamburg mehrere Schnelltriebwagen, der Henschel-Wegmann-Stromlinien-Dampfzug und auf der letzten Strecke Hamburg – Berlin die Lok 05 002 mit Meßwagen und D-Zug-Wagen der neuesten Bauart eingesetzt. Da von diesen Wagen tags zuvor einer heißgelaufen war, beförderte die 05 002 am 11. Mai 1936 nur vier Wagen mit einem Zuggewicht von 200 Tonnen gegenüber dem bisherigen Regelgewicht von 250 Tonnen.“ Das sollte ein günstiger Umstand für die Rekordfahrt werden.

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