Ein prominenter Zug

Große Bedeutung hatte die Verbindung München–Hof–Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg nicht. Lediglich verkehrte hier zeitweilig ein Fernzug. Der Laufweg des »Saßnitz-Express« war aber durchaus etwas Besonderes. Von Josef Mauerer
Im März 1986 dieselt eine Reichsbahn-132 mit dem D 309 aus Berlin Zoologischer Garten. Zu diesem Zeitpunkt hieß der Zug schon nicht mehr »Ostsee-Express«; 1983 verlor er den Namen und wurde auf die Route Berlin Stadtbahn – München zurückgenommen. © Josef Mauerer
Die Geschichte des „Saßnitz-Express“ zwischen München und Berlin endet da, wo sie begonnen hat: auf der Route über Hof – Gutenfürst. Auf Antrag der Schwedischen Staatsbahn (SJ) wurde hier zum Sommerfahrplan 1955 eine Fernschnelltriebwagen-Verbindung FT 129/130 zwischen Saßnitz und München mit diesem Namen eingerichtet. Das Zugpaar verkehrte zweimal wöchentlich während der Sommerhauptsaison und hatte keine Verkehrshalte in der DDR; es diente nur dem Transit Schweden – Bundesrepublik. Im Bereich der Bundesbahn (DB) hielt der Zug nur in Hof und Regensburg. Eingesetzt wurde ein Triebwagen SVT 137 der Reichsbahn (DR); rechnet man die Ostsee-Überfahrt ab Saßnitz und den Anschlusszug in Schweden dazu, dauerte die Reise München – Stockholm zwischen 28 und 29 Stunden; zwei bis drei weniger als mit dem „Adria-Express“ über Hamburg – Kopenhagen.

1958 wurden die Züge lokbespannt und verkehrten täglich, aber auch nur bis Ende August. Sie dienten nun auch dem Verkehr mit West-Berlin und wurden über die Stadtbahn geführt. Die Züge nahmen gemäß DR-Kursbuch die etwas ungewöhnliche Route über Gera – Zeitz – Halle. Aus der bisherigen Tagesverbindung wurde eine Tag-Nacht-Verbindung: Tags fuhr der Zug zwischen München und Berlin, nachts zwischen Berlin und Malmö. Die Züge führten neu einen Mitropa-Schlafwagen München – Malmö; zwischen München und Berlin gab es auch einen Speisewagen.

Ab 1959 über Probstzella
1959 kam es zu einer grundlegenden Neuordnung des Zugverkehrs über Ludwigsstadt – Probstzella. Die zwei hier schon verkehrenden Zugpaare nach Berlin wurden so verteilt, dass je eine Tages- und eine Nachtzugverbindung München – Berlin entstand. Das Nachtzugpaar D 129/130 wurde zum „Saßnitz-Express“ mit entsprechender Laufwegserweiterung bis Saßnitz Hafen. Damit entfiel der F-Zug über Hof, ferner gab es keine saisonale Begrenzung mehr. Das Zugpaar hatte zunächst noch Verkehrshalte in der DDR (Leipzig, Jena, Saalfeld) – vom August 1961 an wurde es jedoch eine reine Transitverbindung Westdeutschland – Berlin.

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