Eisenbahner in Belgien und den Niederlanden: »Mein Kriegseinsatz«

Von Mai bis September 1941 wird ein Eisenbahner aus Sachsen nach Westen verlegt. Sein erstes Ziel heißt Antwerpen in Belgien, später folgt Enschede in den Niederlanden. Bahnbetrieb und Städte hält er in Fotografien fest.

Übernachtung in Belgien: preußische Wagen als „Wohnstube“ in Schijnpoort/Antwerpen © Slg. Andreas Knipping
Die Anreise mit dem Bus hat das Ziel Antwerpen. In der belgischen Hafenstadt geht es zum Bahnhof, dann zum Vorort Schijnpoort. Das wird im Mai 1941 der erste Einsatzort eines Eisenbahners aus Sachsen, der wohl zur Mannschaft eines Hilfszugs oder eines Drehkrans gehört, im besetzten Westen.

Spätere Fotos aus dem Jahr entstehen in Stuivenberg bei Enschede in den Niederlanden. Auch diese Dienstzeit dokumentiert der Eisenbahner, über den nichts Näheres bekannt ist, eifrig in seinem Fotoalbum.

Erinnerungsstücke dieser Art gibt es aus der frühen Phase des Zweiten Weltkriegs und vor allem aus den westlichen besetzten Gebieten häufig. Denn der Westfeldzug gegen Frankreich, Belgien und die Niederlande 1940/41 wurde von den Beteiligten noch weit mehr als der Polenfeldzug 1939 wegen seiner Schnelligkeit als Sensation wahrgenommen.

Man fotografierte recht eifrig in einem geradezu touristischen Verständnis. Vor dem Eiffelturm in Paris oder der Kathedrale in Antwerpen zu stehen, war schon etwas anderes als die Trümmer von Warschau zu sehen. Besondere Gräueltaten fielen 1940 nicht und allzu krasse Zerstörungen selten an, so dass die deutschen Besatzer erst einmal wenig zu verbergen hatten.

Souvenirs vom Krieg

Entsprechend haben viele Aufnahmen aus dem Fotoalbum des erwähnten Eisenbahners Souvenircharakter: Die Zentren von Antwerpen und Ostende, die Schelde und der Antwerpener Zoo finden sich als Motive, neben Aufnahmen von anderen Eisenbahnern und deren Familien. Doch ist der Bildinhalt nicht immer friedlich; bisweilen sieht man auch Bunker, Ruinen, abgeschossene Flugzeuge.

Der deutsche Vormarsch hatte sich weitgehend mit motorisierten Verbänden an der Eisenbahn vorbei vollzogen. Die Sprengungen von Brücken und Bahnhöfen beim Rückzug der Verteidiger wie die Schäden durch deutsche Luftangriffe wurden eher im Vorbeifahren wahrgenommen. Erst nach Ende der Kampfhandlungen gingen deutsche Eisenbahnpioniere und einheimische Bahnen und Baufirmen an den Wiederaufbau.

Dieser ist ein Thema des Albums aus Sachsen, aber noch mehr das tägliche (Eisenbahner-)Dasein. Fotos zeigen die Übernachtungswagen und die Dienststellen, den geselligen Abend im Kameradschaftsheim, die Mahlzeiten am Küchenwagen oder das Rangieren mit erbeuteten Dampfloks.

Wieder wirkt der Krieg nach, etwa bei Aufnahmen zerstörter Bahnanlagen oder von französischen Kriegsgefangenen, die an der Laderampe auf den Abtransport warten.

Im September 1941 wird der sächsische Eisenbahner aus dem Westen abgezogen; Italien folgt im Fotoalbum als nächstes großes Thema. Das Ende des trügerischen Besatzungs-„Friedens“ in Belgien, Frankreich und den Niederlanden bekommt der Fotograf wohl nicht mehr mit.

Ab 1943 steigern sich dort alliierte Luftangriffe und der Widerstand der Bevölkerung, 1944/45 folgen schwere Kämpfe mit zahlreichen Toten und vielen Zerstörungen. Anfang 1945 ist die deutsche Besatzung im Westen beendet.

Von A. Knipping/GM

Ein Artikel aus BAHN EXTRA 05/12

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