Reisetipp: Die Sonderangebote der Bahn

Fahren & Sparen

Eine Deutschlandreise per Bahn kann sehr interessant sein, aber auch ziemlich teuer. Immerhin: Es gibt Mittel und Wege, die Kosten zu senken. Ein Überblick

von Heiko Focken

Mit der Bahn in die Berge – normal gerechnet, kostet das in der 2. Klasse ca. 20 Cent pro Kilometer. Wochenendticket oder Länderticket (in diesem Fall, der Strecke München – Garmisch-Partenkirchen, das Bayernticket) können indes den Preis drücken... © Heiko Focken
Bahn fahren muss nicht teuer sein! Wer den regulären Fahrpreis (etwa 20 Cent pro Kilometer in der 2. Klasse) zahlt, ist meistens selber schuld. Doch vor der Ersparnis wartet der Tarifdschungel – verbunden mit mehr oder weniger restriktiven Nutzungsbestimmungen. Vielfach konkurrieren für einen Reisewunsch zwei oder drei Sonderpreise, bei einigen Angeboten kostet der Kauf am Schalter einen Zuschlag. Nachstehend eine Auswahl der interessantesten Optionen.

Bundesweite ­Angebote

Bahncard (BC)
Diese der DB einst vom Verkehrsclub Deutschland abgerungene Rabattkarte muss vor der Fahrt erworben werden. Je nach Ausführung gewährt sie ein Jahr lang 25 oder 50% Ermäßigung auf den normalen Fahrpreis, nach dem Ausland gibt´s 25% Rabatt. Die Bahncard 25 wird mit diversen Unterangeboten offeriert: der Jahreskarte 1. Klasse (114 Euro) bzw. 2. Klasse (57 Euro), der Vier-Monats-Probekarte (25 Euro) oder auch der Jugend-Bahncard (10 Euro, gültig für bis zu 18-Jährige). Außerdem ermöglicht die BC25 einen 25-%-Rabatt auf die innerdeutschen Sparpreise und das Europa-Spezial – die bis zu 460 Euro teure Bahncard 50 hingegen nicht. Auch Nutzer der 3.800 (2. Kl.) bzw. 6.400 Euro (1. Kl.) teuren Bahncard 100 müssen ihr Europa-Spezial voll bezahlen und werden im ICE-Sprinter noch einmal zur Kasse gebeten. Ansonsten genießen sie in Deutschland in den Regelzügen der Deutschen Bahn, bei den meisten Privatbahnen und in den Bahnbussen ein Jahr lang freie Fahrt.

Sparpreise
Sie werden heute für die einfache Fahrt in Preisstufen zwischen 29 und 69 Euro (2. Klasse) angeboten, für kurze Strecken auch ab 19 Euro. Zudem gibt es (noch) die Sparpreise 25 und 50 für Hin- und Rückfahrten, die 25 bzw 50 % des Normalpreises kosten und vor allem für mittlere Entfernungen interessant sind. BC-25-Inhaber bekommen darauf nochmals 35 % Rabatt, auch Mitfahrer werden ermäßigt mitgenommen. Die Tickets gelten mit einer Platz-, Liege- oder Bettkarte auch im Nachtzug. Allerdings sind all diese Sparpreise nach einem streng geheimen Schlüssel von der DB kontingentiert. Im morgendlichen Fernpendlerzug wird es die günstigen Preisstufen ebenso wenig geben wie am Freitag auf den Hauptabfuhrstrecken. Ansonsten gilt: Der frühe Vogel fängt den Wurm – man muss sich aber auf genau einen Zug festlegen.
Spartipp: Wenn die preiswerten Kontingente weg sind, kann es helfen, wenn man sich statt des innerdeutschen Sparpreises ein Europa-Spezial über die nächste Grenze kauft. Im Zug nach dem Ausland gibt es oft noch günstige Kontingente, die auch für den eigentlich ausverkauften Zug des deutschen Abschnitts gelten. Wer aus Norden in Richtung ­Hessen oder Franken fährt, sollte versuchen, eine Fahrkarte mit dem IC-Bus Nürnberg – Prag zu kaufen. Statt 80 Euro von Hamburg nach Nürnberg zahlt man für Hamburg – Nürnberg – Prag unter Umständen nur 40 Euro. Nach Berlin wird es oftmals billiger, wenn man den abendlichen Intercity nach Stettin mitbucht – man kann ja trotzdem in Berlin aussteigen. Außerdem nützlich: statt des schnell ausverkauften ICE gezielt nach Sparpreis-Fahrten mit IC oder Nachtzug schauen.

Schönes-Wochenende-Ticket (SWT)
Der Klassiker seit der Bahnreform! Auch, wenn das SWT heute nur noch an einem Wochenendtag gilt und 37 Euro kostet, ist es für längere und flexible Reisen nach wie vor attraktiv. Es gilt bundesweit in allen DB- und den meisten Privatbahn-Nahverkehrszügen sowie als echtes »Haus-zu-Haus-Angebot« in zahlreichen Verkehrsverbünden. Bis zu fünf Personen können mitfahren. Damit kommt man ab 7,40 Euro pro Person von Binz nach Basel – sofern man das an
einem Tag mit Nahverkehrszügen schafft.

Deutschland-Pass
DAS Urlaubsangebot für Entdecker und Eisenbahnfreunde! Mitunter offeriert die DB in den Sommermonaten diese zeitlich beschränkte Version der Bahncard 100. 2009 kostete ein Monat Zug fahren knapp 300 Euro (Jugendliche: 250 Euro). Das Problem: Es ist nicht klar, ob und wann die DB den Deutschland-Pass anbietet. Für 2010 gibt es bislang keine Information.

Bahn und Bett

Die DB-Reisetochter Ameropa bietet insbesondere in der Nebensaison Komplettangebote mit Hin- und Rückfahrt sowie einer Hotelübernachtung für viele deutsche Städte an. Je nach Standard der teilnehmenden Hotels kostet das zwischen 89 und 129 Euro. Oft ist damit das komplette Angebot billiger als sonst die Bahnfahrt. Die Fahrkarten unterliegen keiner Zugbuchung und gelten für die Rückfahrt einen Monat lang – besser als jeder Sparpreis! Wer also günstig verreisen will, sollte nach einem freien Ameropa-Bett im Zielort schauen. Er muss ja nicht darin schlafen.

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