Glanz und Untergang

Die Zwischenkriegszeit ließ den Eisenbahn-Fernverkehr in Berlin aufleben. Nachdem die Folgen des Ersten Weltkriegs überwunden waren, etablierte die Reichsbahn zahlreiche internationale Verbindungen und machte mit innovativen Fahrzeugen Furore. Von Erich Preuß
In Berlin Potsdamer Bahnhof steht eine 39er mit ihrem Zug bereit. Der Ausbau der Nord-Süd-S-Bahn und die dadurch verbesserten Anschlüsse an andere Berliner Fernbahnhöfe ließen die Bedeutung dieses Bahnhofs in den 30er-Jahren schwinden. © Dr. Alfred Gottwaldt
Der Erste Weltkrieg hatte seine Spuren hinterlassen: Anlagen und Fahrzeuge waren über Jahre ohne die notwendige Instandhaltung geblieben, das Eisenbahnwesen zeigte sich zersplittert und wurde – aus der Not geboren – erst mit Bildung der Deutschen Reichsbahn am 1. April 1920 vereinigt, im Alltag(sbahnverkehr) mischten sich zurückkehrende Demobilisierte mit Revolutionären. Gerade um die Berliner Bahnhöfe sammelten sich die sozial Entwurzelten, aber auch die Arbeiter- und Soldatenräte. Am 11. November 1918 hielten die führenden Köpfe des Spartakusbundes, des Vorläufers der Kommunistischen Partei, am Anhalter Bahnhof ein Treffen ab.

Auf dem Anhalter Bahnhof bestieg auch am 3. Februar 1919 Reichskanzler und Volksbeauftragter Friedrich Ebert (SPD), nur von einer Wache begleitet, den Zug. Er wollte an der Nationalversammlung in Weimar teilnehmen. Die Linken sahen in ihm einen Verräter an den Arbeitern; der Lokomotivführer war nur mit Mühe zu bewegen, mit Ebert im Zug abzufahren.
Außerhalb Berlins war es auf den Hauptstrecken auch nicht mehr wie früher. Außer den Reparationsleistungen, welche die deutschen Eisenbahnen in Form von Fahrzeugen für die Siegermächte zu erbringen hatten, musste Steinkohle geliefert werden. Franzosen und Belgier versuchten, diese Lieferungen durchzusetzen und nahmen den Eisenbahnverkehr im Ruhrgebiet in ihre Regie. Neue Grenzbahnhöfe entstanden, viele Eisenbahner wurden wegen stillen Widerstands eingesperrt, sie und ihre Familien ausgewiesen.

Ostpreußen mit Königsberg und ein Teil von Westpreußen waren vom übrigen Reichsgebiet abgeschnitten. Erst nach langen Verhandlungen mit den polnischen Behörden erreichte die Deutsche Reichsbahn, dass sie einen Korridorverkehr einrichten konnte. Oberschlesien kam zu Polen und damit ein Teil des Netzes der Eisenbahndirektion Kattowitz. Geblieben waren im Reiseverkehr die wichtigen Strecken nach Hannover, Hamburg, Stettin, Breslau, Dresden sowie Frankfurt (Main).

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