Innerdeutsche Lebensader

Im kalten Krieg fehlte es nicht an dramatischen und kritischen Tagen. Trotz der Abriegelung der ­innerdeutschen Grenze 1952 oder des Aufstands in Ost-Berlin 1953 fuhren die »Interzonenzüge«.

Text: A. Knipping

Ein typischer Zug des Interzonenverkehrs läuft in Büchen (Strecke Berlin – Hamburg) ein: Die Dampflok 01 findet oft Verwendung bei diesen Leistungen, an erster Stelle im Zug folgt der im Ost-West-Austausch gern genutzte Postwagen. Auf dem Bahnsteig... © Slg. Helmut Brinker

Die ­Reisemöglichkeit zwischen der Bundesrepublik und der DDR bzw. West-Berlin war gefragt – bei ­Besuchern, Übersiedlern, Geschäftsleuten und für Millionen Briefe und Päckchen »nach drüben«

Der Begriff rührte aus der Zeit nach dem Kriegsende. Zum 1. Juli 1945 hatten die Alliierten die vereinbarten Besatzungszonen konfiguriert und Deutschland in vier Gebiete aufgeteilt. Ein ziviler Reiseverkehr zwischen diesen war zunächst nicht zugelassen. Von der amerikanischen in die britische Zone fuhren aber schon bald die ersten Züge, und mit der Zusammenlegung zur Bizone 1946 entfiel die Beschränkung. Zögernder öffnete Frankreich seine Zone. Der »Interzonenverkehr«, wie man ihn in der Folgezeit verstand, bezog sich aber nicht auf diese Leistungen; er meinte den Reiseverkehr von den Westzonen in die sowjetische Zone und in das von den vier Mächten gemeinsam verwaltete Berlin.

In den späten 40er-Jahren war dieser Verkehr spärlich ausgestattet: Ein einziges Zugpaar, FD 111/112, befuhr ab 7. Oktober 1946 die Strecke Hannover – Braunschweig – Magdeburg – Berlin. Wer in dieser Zeit über die innerdeutsche Demarkationslinie wollte, erledigte das meist zu Fuß. Zwischen den letzten im Zugverkehr bedienten Stationen von Reichsbahn West und Reichsbahn Ost wanderten Arbeitspendler, Schwarzhändler, Flüchtlinge und Kriegsheimkehrer, teils auf Schleichwegen, teils zwischen den rostigen Schienen. Besatzungsmächte wie deutsche Polizei kontrollierten oft nur halbherzig.

Nachkriegszeit und ­Berlin-Blockade
Aber das Klima zwischen den Alliierten verschärfte sich. Am 18. Juni 1948, einige Tage, bevor die sowjetische Blockade gegen die Westsektoren Berlins in vollem Umfang wirksam wurde, wurde dem FD 111/112 die Weiterfahrt über Helmstedt hinaus verwehrt. Fast ein Jahr lang ruhte nun der Bahnverkehr zwischen Ost und West. Erst am 12. Mai 1949, dem Tag auch, an dem die Westmächte das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland genehmigten, gab die Sowjetunion die Blockade auf. Eine 41er-Dampflok der Reichsbahndirektion (Rbd) Magdeburg fuhr nach Helmstedt und übernahm wieder einen FD 111 nach Berlin. Um 14 Uhr an jenem 12. Mai gab Reichsbahn-Generaldirektor Kreikemeyer dem Lokführer der 41 240 den Abfahrbefehl für den Gegenzug FD 112.

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