Lokführerdienst beim Sylt-Shuttle: 5.600 PS gegen den Wind

Mit dem Kraftfahrzeug nach Sylt? Das geht nur mit dem Sylt-Shuttle. Bis zu 30 Mal am Tag fahren die Transportzüge Pkw und Lkw von Niebüll nach Westerland und zurück. Wo sonst ist man als Eisenbahner dem Wattenmeer so nahe? Von Felix Löffelholz

Lokführer Rolf Stahmer unterwegs mit der Baureihe 218 und einem SyltShuttle auf dem Hindenburgdamm. Links und rechts erstreckt sich die Nordsee © Felix Löffelholz

Privat ist Rolf Stahmer Insulaner. Er wohnt auf Sylt, der nordfriesischen Ferieninsel mit hohen Dünen, weiten feinsandigen Stränden und gesundem Klima. Beruflich hingegen pendelt er beinahe rastlos zwischen Festland und Eiland. Als Lokführer bei DB AutoZug fährt er die schweren Autotransportzüge auf der Strecke Niebüll – Westerland. Seit dem Bau des Hindenburgdamms (siehe Seite 29) ist die Insel zwar auf dem Landweg erreichbar, jedoch nur per Eisenbahn. Und wer auf sein Kraftfahrzeug nicht verzichten will, der nimmt es per SyltShuttle mit.
Am Terminal in Niebüll, wo bereits einige Lastwagen und Autos für die nächste Überfahrt nach Sylt bereit stehen, treffen wir Rolf Stahmer. Fast unendlich wirkt die Wagenschlange, die man abschreiten muss, um nach vorne zu den Loks zu gelangen:
600 Meter misst der Zug, zusammengestellt aus doppelstöckigen und einstöckigen Wagen für den Transport von Pkw beziehungsweise Lkw. Diese Garnituren sind ausschließlich für den SyltShuttle-Verkehr zugelassen, da sie das herkömmliche Lademaß überschreiten. An der Spitze zwei 218-Dieselloks; die Maschinen in Diensten von DB Autozug sind die Standard-Bespannung für den Shuttle.
Während der Lokführer zu den Maschinen unterwegs ist, beginnt die Beladung. Die Gummiräder der Autos quietschen auf den stählernen Wagen, und beim Überfahren der Wagenübergänge ist ein sanftes Rumpeln zu vernehmen. Einzigartig beim SyltShuttle: Die Fahrer bleiben während der Überfahrt in ihren Fahrzeugen sitzen und können – zumindest, wenn sie einen Platz im Oberdeck bekommen – wunderbare Ausblicke genießen. Motorradfahrer nehmen in einem umgebauten Halbgepäckwagen Platz.
Rolf  Stahmer hat den Führerstand der vorderen Maschine, der altgedienten Bundesbahnerin 218 319, erklommen und bereitet die Abfahrt vor. Per Funk gibt der Zugführer die Informationen für den Bremszettel durch: Mit 994 Tonnen Wagenzuggewicht wird Zug AS 1426 – aus betrieblicher Sicht ein Güterzug – die rund 35-minütige Fahrt nach Sylt antreten. Jetzt noch die Bremsprobe: »Anlegen – lösen – Bremse in Ordnung«, funkt der Zugführer nach vorne.

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