Neue Loks nach alten Plänen

Zwei neu erbaute Dampflokomo­tiven haben im Jahr 2009 das Dampf­lokwerk Meiningen verlassen: Die 99 2324 verstärkt den Fahrzeugpark des »Molli« an der Ostsee­küste, der Nachbau der I K wird als besondere Attraktion auf den sächsischen Schmalspurstrecken eingesetzt
Die Ziffern am Führerhaus und die Steuerung glänzen frisch poliert: Am 28. Juni erlebt die I K Nr. 54 ihren allerersten Betriebstag und wird in ­Jöhstadt angeheizt. Wenig später fährt sie talwärts nach Steinbach, wo man sie feierlich der... © Achim Schramm
Was haben die Ostseeküste und Sachsen gemeinsam? Es sind attraktive Urlaubsgebiete, es gibt dort Schmalspurbahnen – und in beiden Regionen nahm man 2009 neu gebaute Dampfloks in Betrieb.

Beginnen wir bei der Ostsee, konkret, beim »Molli«: Mehr als 650.000 Fahrgäste benutzen jährlich die gut 15 Kilometer lange 900-Millimeter-Schmalspurbahn, die Bad Doberan mit dem Seebad Kühlungsborn verbindet. Im Sommer bietet die ­betriebsführende Mecklenburgische Bäderbahn Molli GmbH&Co KG einen Stundentakt an; die bislang im Reisezugdienst eingesetzten 1’D1’-Dampfloks mit den ­Betriebsnummern 99 2321-2323 waren damit mehr als gut ausgelastet. Nun traten an den gut 70 Jahre alten Loks vermehrt Schäden auf, die zu Aufenthalten im Werk Meiningen zwangen. Folglich musste die Bahn eine weitere Lok beschaffen, zumal von den beiden 1961 von der Wismut übernommenen Reserveloks nur noch 992331 betriebsfähig war; die Schwesterlok 992332 ist als Denkmal aufgestellt.

99 2324: Nachbau der Type von 1932

Die neue Lok sollte traditionsgemäß – und mit Blick auf die Touristenattraktion Molli-Bahn – wieder eine Dampflok sein. Dabei erhielten die Verantwortlichen finanzielle Unterstützung: Am 5. Oktober 2007 nahmen sie in der Werkstatt in Bad Doberan symbolisch den Fördermittelbescheid des mecklenburgisch-vorpommerschen Ministers für Verkehr, Bau und Landesentwicklung entgegen; gleichzeitig unterzeichnete man feierlich den Auftrag an das Dampflokwerk Meiningen für den Neubau einer Dampflokomotive der Baureihe 9932. Um aufwendige und teure Konstruktions- und Zulassungsverfahren zu umgehen, sollte die zukünftige 99 2324 ein Nachbau der O&K-Type von 1932 werden. Dabei verwendeten die Mitarbeiter des Lokwerks die bereits vorhandenen Unterlagen der Neukonstruktionen von geschweißten Teilen wie Zylinder, Kessel und Rahmen. Weitere Teile passten sie konstruktiv an heutige Fertigungsverfahren und Sicherheitsstandards an.

In Meiningen begannen die Arbeiten, und schon bei den dortigen Dampflok­tagen im September 2008 konnten erste größere Baugruppen der Neubaulok bewundert werden. Am 7. Januar 2009 folgte das Aufachsen, sechs Tage später wurden der Kessel erstmals angeheizt und die Warmdruckprobe mit Einstellen der Sicherheitsventile durchgeführt. Am 15. Januar fuhr die Lok erstmals mit eigener Kraft auf dem Probefahrtgleis, am 20. Januar nahm man das Indizieren vor. Vom 10. bis zum 14. März war die mittlerweile frisch lackierte Lok der Star auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin. Anschließend wurde die Lok nach Bad Doberan überführt und umfangreichen Probe- und Einfahr-Fahrten unterzogen – übrigens mit der Betriebsnummer ihrer Schwesterlok 992323, schließlich sollte die offizielle Inbetriebnahme der Lok mit einem großen Fest gefeiert werden.

Am 10. und 11. Juli war es schließlich soweit: Mit ­einem großen Festakt, einer Dampflokparade und einem umfangreichen Rahmenprogramm wurde 99 2324 in offiziell in Betrieb genommen. Seither kommt die Maschine planmäßig zum Einsatz. Wünschen wir der mit 50 km/h Höchstgeschwindigkeit recht flotten Schmalspur-Neubaulok aus Meiningen ein ebenso langes Leben wie ihren von O & K gebauten Schwestern aus dem Jahre 1932!

I K: Eine Lok entsteht wieder

Wesentlich kleiner, aber nicht minder spektakulär ist die zweite Schmalspurlok, die 2009 erstmals dampfte: Das Festjahr »125 Jahre Schmalspurbahnen in Sachsen« (2006) nahm der Verein zur Förderung sächsischer Schmalspurbahnen e.V. zum Anlass, den Nachbau einer Lok der Gattung I K zu propagieren. Von 1881 bis 1892 waren die kleinen Dreikuppler von Hartmann in Chemnitz gebaut worden, doch keine blieb erhalten. Die neue »Sächsische I K« mit der Loknummer 54 sollte, eingesetzt auf allen sächsischen Schmalspurstrecken, zu deren Erhalt beitragen. Mit vielen Finanz- und Sachspenden, unter anderem vom LOK MAGAZIN, kam das Projekt ins Rollen. Verschiedene Arbeitsgruppen fertigten in mühsamer Detailarbeit die Baugruppen der Lok, sächsische Firmen unterstützten das Projekt, etwa mit unentgeltlichen Arbeiten.

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