Streckenkarte

Nördlichstes Bundesland, Tor zu Skandinavien, Land zwischen den Meeren – es gibt viele ­Attribute für Schleswig-Holstein und sie prägen auch das ­dortige Eisenbahn-Geschehen. Eines muss man ­dabei aber noch beachten: Ohne das Drehkreuz ­Hamburg »gleich nebenan« geht in ­vielen Fällen nichts.

Von Jens Perbandt
Schleswig-Holstein, Land der Brü­cken: Ein 628-Triebwagen rollt als Regionalexpress über die Fehmarnsundbrücke, das markanteste Bauwerk der Vogelfluglinie	Foto: DB AG/Max Lautenschläger © DB AG/Max Lautenschläger
Als nördlichstes Bundesland und Tor zu Skandinavien hat Schleswig-Holstein sowohl im nationalen als auch im internationalen ­Verkehr große Bedeutung. Die wichtigsten Bahnhöfe des Landes sind die Hafenstädte Kiel und Lübeck, die als einzige des Landes noch Bahnsteighallen besitzen, sowie Flensburg als Grenzbahnhof zu Dänemark. Zentraler Bahnknoten des Landes ist Neumünster mit sechs abzweigenden Strecken.

Der Fernverkehr
Alle Strecken des Fernverkehrs führen über Hamburg. Von internationaler Bedeutung ist etwa die als »Vogelflug­linie« bekannte, nicht elektrifizierte Verbindung Hamburg – Lübeck – Puttgarden – Kopenhagen (KBS 141). In den kommenden Jahren wird sie zu einer durchweg festen Bahnstrecke mit Brücke über den Fehmarnsund ausgebaut, aber noch gibt es den im Jahr 1963 eröffneten Eisenbahnfährbetrieb zwischen dem Bahnhof Puttgarden und dem dänischen Rodby. Überwiegend fahren hier die Diesel-ICE (Baureihe 605), in der Sommersaison kommen noch die Züge der dänischen Baureihe IC3 (»Gumminase«) zum Einsatz.   Fahrdraht hängt dagegen über der zweiten Strecke nach Dänemark, der Verbindung Hamburg – Flensburg (KBS 131). Sie bietet mit der Fortsetzung der Eisenbahnverbindung über den Großen Belt einen Schienenanschluss nach Schweden und wird auch für den Güterverkehr von und nach Skandinavien genutzt. Die einzige Hochgeschwindigkeitstrasse, die das Bundesland berührt, ist die Strecke Hamburg – Berlin (KBS 100). Hier können die ICE-Züge zwischen Schwarzenbek und der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern bei Büchen mit 230 km/h verkehren, jedoch halten sie nicht in Schleswig-Holstein. Immerhin machen einige IC- und EC-Züge einen Zwischenstopp in Büchen und werten diese Station zu einem Fernbahnhof auf. Auch im Güterverkehr ist diese Strecke überaus wichtig und dient der Anbindung des Hamburger Hafens an Ostdeutschland bzw. Osteuropa. Dementsprechend kommen neben den gängigen Güterzugloks der DB Schenker Rail hier auch Maschinen privater Verkehrsunternehmen zum Einsatz.

Zu den Bahnstrecken von nationaler Bedeutung zählen die Verbindungen Hamburg – Westerland (Sylt) (KBS 130, »Marschbahn«, nicht elektrifiziert) sowie Hamburg – Kiel (KBS 131, elektrifiziert); sie werden von Zügen der DB bedient, die Marschbahn im Nahverkehr auch von der Nord-Ostsee-Bahn (NOB, s. unten).
Der Nahverkehr
Nachdem auf Grund des Regionalisierungsgesetzes die Regionalverkehrsleistungen zum 1. Januar 1996 an die Länder übergegangen sind, wird der Regionalverkehr auf insgesamt 1.165 Kilometern (von denen mehr als 30% elektrifiziert sind) durch die Landesweite Verkehrsgesellschaft Schleswig-Holstein (LVS) bei den Verkehrsträgern beauftragt. Dabei hat man bereits ­einen Großteil der Verkehrsleistungen im Wettbewerbsverfahren ausgeschrieben.

Größter Anbieter im Bereich des Regionalverkehrs ist jedoch ein Tochterunternehmen von DB Regio Nord, die Regionalbahn Schleswig-Holstein (RB SH). Sie erbringt 52,2% der Leistungen im Schienenpersonennahverkehr. Ihr Fuhrpark umfasst rund 260 Waggons, 30 Triebwagen und 90 Lokomotiven, womit sie mehr als 28 Millionen Fahrgäste jährlich befördert. Ihre Regionalzüge fahren über die Grenzen des Landes hinaus bis nach Lüneburg, Bad Kleinen und in das dänische Padborg. Neben Doppelstock-Wagen kommen bei dem Schleswig-Holstein-­Express auf der Strecke Hamburg – Flensburg – Padborg umgebaute InterRegio-Wagen zum Einsatz. Die ­Lokomotiven der Baureihen 112 und 143 sowie die LINT-Triebwagen werden in den DB-Regio-Betriebswerken Lübeck und Kiel gewartet.

Daneben haben sich im Nahverkehr Schleswig-Holsteins auch mehrere Privatbahnen etabliert. Zweitgrößtes Unternehmen in dieser Sparte ist die Nord-Ostsee-Bahn (NOB), die ca. 28 % der Verkehrsleistungen im Land Schleswig-Holstein für sich verbuchen kann. Sie führt den Regionalverkehr auf der größtenteils zweigleisig ausgebauten Hauptstrecke Hamburg – Westerland (mit Siemens-Dieselloks ER20 und DE 2700), außerdem auf den Strecken Husum – Kiel, Kiel – Eckernförde, Husum – St. Peter-Ording und Niebüll – Tonder (DK). Den Betriebsmittelpunkt und das Ausbesserungswerk besitzt die Gesellschaft in Husum.

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