Was bringt 2012?

Baustellen, Fahrzeugmangel, Ersatzverkehre, Stuttgart 21 – auch im neuen Jahr werden das die großen Themen sein.
Sechs Loks vor einem Zug? – Nein, die DB lebt sicher nicht im Überfluss. Hier wurden einem Güterzug lediglich einige Maschinen zur Überführung mitgegeben (Aufnahme vom April 2011 an der Strecke Würzburg – Gemünden)Florian Martinoff © Florian Martinoff
Baustellen mit Umleitungen, Ausfälle oder Verspätungen von Zügen werden auch im neuen Jahr wieder die Geduld so mancher Reisender auf die Probe stellen. Zu den großen Projekten zählen alte Bekannte wie etwa der dreigleisige Ausbau zwischen Hamburg und Lüneburg, doch es kommen neue Bauschwerpunkte hinzu, etwa die Elektrifizierung der in der Schweiz liegenden DB-Strecke Schaffhausen – Erzingen. Spannend bleibt es auch beim Milliardenprojekt Stuttgart 21, dessen Umsetzung – losgelöst vom Volksentscheid – immer unter dem Damoklesschwert einer drohenden Kostenexplosion liegt.

Über das Internet sollen im Lauf des Jahres die exakten Sitzplätze im ICE buchbar werden. Am Fahrkartenschalter war dies ja schon immer möglich, nun soll man aber beispielsweise seinen Wunschsitzplatz 116, Abteil, Fenster, in Wagen 2 auch von zu Hause aus reservieren können. Natürlich nur, sofern dieser frei ist. Und das ist im Fernverkehr nicht selbstverständlich, denn die dünne Fahrzeugdecke wird nur sehr langsam etwas dicker. Nicht zuletzt durch den geplatzten Kauf von Abteilwagen aus der Schweiz wird es auch in der Fahrplanperiode 2012 immer wieder heißen „Dieser Zug verkehrt ohne die Wagen mit der Ordnungsnummer…“.

Deutlichen Zuwachs erwartet man jedoch bei den ICE-Zügen. Die ersten Garnituren der Baureihe 407 sollen mit mehrmonatiger Verspätung für Entspannung im Einsatzbestand der Weißen Flotte sorgen. Dafür wird auch auf die ursprünglich mit diesen Zügen vorgesehenen neuen Leistungen ins Ausland verzichtet.

Üppiger dimensioniert erscheint da der Schnellzugbestand beim südwestlichen Nachbarn. Nicht nur, dass der französische TGV seit längerer Zeit einen ICE-Kurs zwischen Frankfurt (Main) und Paris fährt – nun steht ab März 2012 eine direkte TGV-Verbindung Frankfurt – Straßburg – Marseille in den Fahrplänen. Noch mehr Frankreich gibt es dann Ende 2012, wenn der Grenzübergang zwischen Müllheim und Mülhausen (Mulhouse) nach rund 30 Jahren seinen täglichen Reisezugverkehr zurück erhält, darunter ein TGV-Paar Freiburg – Paris.

Wenig Spektakuläres gibt es zunächst aus dem Bereich des Nahverkehrs anzukündigen. Erst Ende 2012 soll ein völlig neues Fahrzeugkonzept auf deutschen Gleisen Einzug erhalten, nämlich das des Doppelstock-Elektrotriebzuges. Die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH will diese Züge erstmals im Großraum Berlin einsetzen. Bis dahin bleibt auch spannend, mit welchen Fahrzeugen die DB ihre Ersatzverkehre für die noch immer nicht abgenommenen Elektro-Talente (Baureihe 442) erbringen wird. Um die 100 E-Talente sollen eigentlich schon fahren. Stattdessen ist von InterRegio-Wagen bis zu modernisierten Silberlingen so ziemlich alles unterwegs, was Spurkränze und Sitzplätze hat. Und wenn schon keine Neuware anrollt, dann soll wenigstens das Altmaterial  nett aussehen: Allein in Bayern sollen über 600 Fahrzeuge mehr oder weniger intensiv aufgehübscht werden. Ob es zwischendurch endlich zum Einsatzbeginn der als Baureihe 442 bezeichneten Züge kommt, werden wir im Bahn-Jahrbuch 2013 wissen.   

Heiko Focken

Mehr Informationen und Bilder finden Sie im BAHN EXTRA 01/12!
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