Berliner S-Bahn ab 1990

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Umorganisation und Sanierung
Mit der deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 wurden die Deutsche Bundesbahn, die Deutsche Reichsbahn und das ehemalige Reichsbahnvermögen Sondervermögen der Bundesrepublik Deutschland. Ebenso sah der Einigungsvertrag vor, dass die BVG bis zur Vereinigung der beiden deutschen Staatsbahnen Anfang 1994 Betreiber der S-Bahn im ehemaligen West-Berlin bleiben sollte.

Erst mit der Bildung der Deutschen Bahn AG am 1. Januar 1994 wurde das gesamte S-Bahn-Netz wieder unter Regie des nunmehr staatseigenen Konzerns betrieben und verwaltet.

Noch 1990 wurde der Wiederaufbau 1961 unterbrochener Verbindungen vorbereitet. Die Inbetriebnahme begann 1992 mit der Strecke nach Potsdam und endete mit der Schließung des S-Bahn-Rings 2002. Zeitgleich arbeitete die BVG an der Reaktivierung der Ende 1993 eröffneten Ringbahn-Teilstrecke Westend – Köllnische Heide, die bereits vor dem Mauerfall geplant worden war.

Großer Nachholbedarf bestand zudem bei der Generalsanierung des Bestandsnetzes. Der Nord-Süd-Bahn-Tunnel wurde im Frühjahr 1991 für ein knappes Jahr abschnittsweise gesperrt und samt Gleisanlagen und Sicherungstechnik instand gesetzt. Von 1994 bis 2002 lief die Sanierung der Stadtbahn, wobei man für die S-Bahn erstmalig eine Feste Fahrbahn verwendete.

Darüber hinaus wurden bei Gleisbauarbeiten im Streckennetz meist der Unterbau, die Entwässerungsanlagen, Brücken und Bahnhöfe sowie die Zuleitungen für die Fahrstromversorgung erneuert. Weiterhin erhielt die S-Bahn neueste Sicherungstechnik mit einer rechnergesteuerten Zuglaufüberwachung und einer Betriebszentrale in Halensee. In die Infrastruktur der Berliner S-Bahn flossen von 1990 bis 2006 vier Milliarden Euro.

Generationswechsel
Hinzu kamen die Investitionen für neue Fahrzeuge. Die Verjüngung des Rollmaterials hatten Reichsbahn wie BVG schon in den 80er-Jahren eingeleitet. Sie führten das Vorhaben über Wende und Wiedervereinigung fort. Zwischen 1989 und 1994 wurden 85 Viertelzüge der Baureihe 480 ausgeliefert, von 1990 bis 1993 auch 159 Viertelzüge der Baureihe 485/885.

Als gemeinsame Entwicklung kam von 1997 bis 2004 die neue Baureihe 481/482 mit 500 Viertelzügen in den Bestand. Damit wurden die Fahrzeuge aus der Vorkriegszeit ersetzt; die S-Bahn war ein modernes Verkehrsmittel für die Millionenstadt Berlin.

Veränderte Bedingungen 
In der Zwischenzeit hatte sich aber auch die politische Großwetterlage geändert. So flossen die Gelder der öffentlichen Hand nun nicht mehr in dem Maße wie zuvor. Nach langen Diskussionen trat Ende März 2004 zwischen der Deutschen Bahn und dem Berliner Senat ein rückwirkend von 2003 gültiger und bis 2017 verbindlicher Verkehrsvertrag in Kraft, der die Kürzung von Regionalisierungsmitteln in Höhe von 26 Millionen Euro pro Jahr vorsieht.

Eine andere Entwicklung sollte der S-Bahn noch sehr viel mehr zusetzen. Inzwischen bereitete die Deutsche Bahn AG den Börsengang vor und zog dazu auch ihre Tochter S-Bahn Berlin GmbH heran. Sie ordnete für die S-Bahn einen rigorosen Sparzwang an, um Überschüsse aus dem Bahnbetrieb zu erwirtschaften.

So wurden Werkstattkapazitäten reduziert, erst 15 Jahre alte Fahrzeuge der Baureihe 485 ausgemustert, von 2006 bis 2009 rund 1.000 Mitarbeiter abgebaut und die fachlich erfahrene Geschäftsführung der S-Bahn Berlin GmbH überwiegend durch Quereinsteiger ausgetauscht. Der Betriebsrat der S-Bahn Berlin GmbH warnte ab 2005 massiv vor den Folgen einer solchen Entwicklung.

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