Betriebsstart ungewiss: Die Verzögerungen beim Velaro D

Seiten

Probleme, Ärger und Verschiebungen
Im Dezember 2008 hatten die DB AG und Siemens einen Vertrag über die Lieferung von 15 Zügen der Baureihe 407 (ICE 3 M/Siemens Velaro D) geschlossen; am 3. Mai 2011 wurde ein weiterer Zug bestellt. Die Auslieferung der ersten sieben Züge war laut DB AG für den Fahrplanwechsel 2011/12 vorgesehen.

Ab Dezember 2011 sollten die 407 in Einfachtraktion auf der Linie Frankfurt (Main) – Paris anstelle der 406 fahren, welche die DB auf innerdeutsche Verbindungen und die Strecke Frankfurt (Main) – Amsterdam verlegen wollte. Tatsächlich unternahmen erste 407 im Jahr 2011 Probefahrten, unter anderem auf der Neubaustrecke Hannover – Würzburg und zwischen Bamberg und Lichtenfels.

Doch zum Planeinsatz Ende 2011 kam es nicht, denn der neue Triebzug stand nicht wie gefordert zur Verfügung. Primärer Grund für die Verzögerung sind laut Siemens Probleme mit der Zulassung der bordseitigen Signaltechnik für Frankreich. Siemens bezieht diese Ausrüstung von Ansaldo STS.

Es wurde dann einvernehmlich vereinbart, statt für Frankreich vorrangig eine Zulassung für Deutschland im Doppeltraktionsbetrieb anzustreben – was sich auch bald fürs Erste zerschlug. Am 1. Juni 2012 erteilte das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) Siemens die Zulassung für den Betrieb des Velaro D in Einfachtraktion, allerdings mit Auflagen. Diese sollten bis 31. Mai 2013 abgearbeitet sein.

Siemens selbst stellte bei Doppeltraktions-Testfahrten im Jahr 2012 Mängel fest und hat darum für diese Variante bisher beim EBA noch keine Zulassung beantragt. Das war nicht der einzige Rückschlag. Die DB brach am 31. Oktober 2012 einen ersten Übernahmeversuch ab, da die vorgestellten 407er bei weitem nicht dem vertraglich vereinbarten Zustand entsprachen.

Die Funktionssicherheit für den Einsatz im Betrieb konnte nicht festgestellt werden. Vielmehr zeigten die Züge Probleme grundlegender Natur, zum Beispiel bei der Tür- und Bremssteuerung, der Linienzugbeeinflussung, der Fahrgastinformation und der Bildung von Doppeltraktionen.
Laut geänderter Terminplanung der Siemens AG sollte die DB Ende 2012 sechs Züge des 407 erhalten – im April 2012 hatte der Hersteller noch acht bis zehn Züge zugesagt. Das schien angesichts der misslungenen Präsentation am
31. Oktober schon fraglich und am 20. November 2012 gab Siemens dann eine nochmalige Verschiebung für die Züge überhaupt bekannt.

Bis heute hat die Firma keinen neuen verbindlichen Liefer- und Zulassungsplan genannt. Zusätzlich sorgt der 407 für Zwist zwischen den Herstellern. Siemens nennt als ein Problem des Zuges das verzögerte Bremsverhalten und verweist dabei gern auf den Zulieferer Knorr.
Dieser gibt an, bereits eine geänderte Software geliefert zu haben, und sieht seine vertraglichen Pflichten als erfüllt an. Insider teilen aber mit, dass Knorr die Software lieferte, bevor Siemens die Ergebnisse aus den Abstimmungen Ende Januar 2013 in einer neuen Anforderung an Knorr formulierte.

Allgemein sind die Angaben zu den Bremsproblemen unterschiedlich, was die Situation für Außenstehende noch verworrener macht. So gab es Hinweise auf ein verzögertes Bremsverhalten und verzögerte Datenübertragungen im Doppeltraktionsbetrieb – der Aufschub soll bis zu einer Sekunde betragen.

Andere Berichte weisen auf eine verzögerte Probebremsung nach Fahrtrichtungswechsel hin oder gar auf Verzögerungen bei Schnellbremsungen. Insider berichten noch, der Zug habe im automatisierten Prellbockbetrieb zu früh abgebremst; im Frankfurter Hauptbahnhof sei er erst nach erneutem Anfahren in voller Länge aus dem Gleisvorfeld und an den Bahnsteig gekommen. 

Irgendwie haben wohl alle Angaben eine Berechtigung, sind aber nicht durchgängig ein Zulassungshinderungsgrund.

Die aktuelle Lage
Nach Abstimmung von DB AG, Siemens und dem EBA Ende Januar 2013 besteht über die Nacharbeiten und über die einschlägigen Normen inzwischen Einigkeit. Auch die notwendigen Nachweisverfahren sind mit dem Hersteller abgestimmt. Die Zusammenarbeit mit Siemens wird seitens des EBA als gut und konstruktiv bezeichnet.

Dass der Hersteller zwischenzeitlich Lieferverzögerungen auf 2.900 vom EBA veranlasste Änderungen zurückführen wollte, dürfte wohl nur ein Ablenkungsmanöver gewesen sein. Von Harmonie zu sprechen, wäre aber falsch. Zwischen der DB und Siemens gab es in jüngster Zeit wiederholt Spannungen.

Seiten

Tags: 
Weitere Themen aus dieser Rubrik

Das große Bahn Extra-Winter-Gewinnspiel

Nehmen Sie jetzt am großen Eisenbahn-Magazin Winter-Gewinnspiel teil und gewinnen Sie tolle Preise! Das Mitmachen ist kinderleicht: Wählen Sie aus 24 Preisen Ihren... weiter

Allegra

Falls Sie nicht aus Graubünden kommen – wundern Sie sich nicht. „Allegra“ ist eine übliche rätoromanische Begrüßung, eine Form von „Freue Dich“, und die Rhätische Bahn... weiter

Schnelltriebwagen: Von den Reichsbahn-SVT bis zum Bundesbahn-403

Wenn Sie das nächste Mal an den Bahnhof Berlin-Lichtenberg kommen, sollten Sie es nicht versäumen, über die Bahnsteige hinweg einen Blick auf eines der seitlichen... weiter