Das Jahr der "Mobilmachung"

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e) der Befehl zur Verlegung von Teilen der Luftwaffe in Richtung Grenze. Am Abend des 24. August liefen die Transporte an. Am „Y - 1“-Tag 25. August musste bis spätestens 12:00 Uhr der endgültige Be - fehl Hitlers für den „Fall Weiß“ ergehen, damit ein höchstens zwei Stunden danach zu ergehender „X-Befehl“ den genauen An - griffs termin festsetzen konnte. Am 25. August um 20:30 Uhr begann die Landmarschbewegung aller Truppen aus den Bereitstellungsgebieten in Richtung polnische Grenze. Die Absage der von allen informierten Beamten und Offizieren längst nicht mehr erwarteten Tannenbergfeier kam erst am 28. August.

VERSCHIEBUNG UM SECHS TAGE

Kurz nach Beginn der großen Bewegungen erreichte ein Haltebefehl Hitlers die Truppe. Die insbesondere gegenüber England gepflegte Fiktion einer Verhandlungsbereitschaft bis zum letzten Augenblick ließ einen Aufschub des Angriffs ratsam erscheinen.

Dazu kamen plötzlich aufgetretene und bald wieder verdrängte Bedenken Hitlers wegen eines bekannt gewordenen britischpolnischen Bündnisvertrages. Durch die Verschiebung wurde es – unter Behebung einiger Stauungen – möglich, einen Teil der für die „Y +“-Tage vorgesehenen Verlegungen noch vor Beginn der Kampfhandlungen zu erledigen.

Einschließlich der vorsichtshalber getroffenen Sicherungsmaßnahmen im Westen wurden in kürzester Frist rund drei Millionen Menschen, 400.000 Pferde und 200.000 Fahrzeuge in die Bereitstellungsgebiete gebracht. Dazu kamen die notwendigen Ergänzungen mit Waffen, Munition, Gerät, Verpflegung, Betriebsstoff usw.

DER ANGRIFFSBEFEHL

Am 31. August 1939 um 12:40 Uhr befahl Hitler endgültig den Angriff am 1. September 1939 um 4:45 Uhr. (Seine Verkündung am selben Tage, „seit 5:45 Uhr“ werde „zurückgeschossen“, stimmte also nicht einmal in zeitlicher Hinsicht.) 57 aktive Divisionen begannen befehlsgemäß mit dem Angriff, der schnell zum militärischen Erfolg führte. Das Reichsverkehrsministerium stellte anschließend eine Bilanz auf. Die Reichsbahn hatte einsetzen müssen:

– 13.800 Personenwagen,
– 79.800 (von insgesamt 196.000) gedeckten Güterwagen,
– 36.800 (von insgesamt 46.000) Rungenwagen,
– 42.900 (von insgesamt 71.500) offenen Güterwagen und
– 12.100 sonstige Wagen.

Das waren mehr als dreimal so viele Wagen als von der Wehrmacht zuvor veranschlagt! Gefahren wurden

– im Friedensfahrplan 337 Züge (vorherige Wehrmachtsschätzungen: 300)
– im Höchstleistungsfahrplan 4.107 Züge (vorherige Schätzung: 1.700).

KOMMENDE KATASTROPHE

Einschließlich der Züge in Richtung Westen erbrachte die Reichsbahn nach eigener Bilanz eine Abfuhr von 14.857 Zügen im Vergleich zur Wehrmachtsprognose von 4.000 Zügen. Der schnelle Sieg im Polenfeldzug und das Stillhalten der Franzosen und Engländer im Westen ließen den Kontrast zwischen der zu optimistischen militärischen Prognose und der tatsächlichen Auslastung der Bahn in diesem Krieg noch nicht zum Problem werden.

Im Frankreich feld zug 1940 waren jedoch krisenhafte Entwicklungen im Transportwesen nicht mehr zu übersehen. Und im Ostfeldzug 1941 sollten sie schließlich zur kriegsentscheiden den Katastrophe werden.

TEXT: Andreas Knipping FOTO: Slg. Stefan Ponzlet, Slg. Eisenbahnstiftung

Ein Artikel aus BAHN EXTRA 02/14

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