Der »Rheingold«

Seiten


In den frühen Jahren des geteilten Nach­kriegsdeutschlands bestand für hochwertige Fernreisen – und erst recht für glänzende Luxuszüge – kein Bedarf. Das Reisen mit der Bahn definierte sich über die bloße Fortbewegung. So konnte der ab 17. Dezember 1946 zweimal wöchentlich verkehrende Zug Hoek van Holland – Basel SBB kaum als legitimer Nachfolger gelten.

Der Name »Rheingold« tauchte auch erst wieder bei der Deutschen Bundesbahn (DB) auf, und zwar zu Beginn des Sommerfahrplans am 20. Mai 1951, als das neue F-Zug-Netz an den Start ging. Der Vergleich zum Vorkriegszug hinkt dennoch, denn die »Neuausgabe« fuhr anfangs mit allen drei Wagenklassen. Im Sommer 1952 führte die DB den F 9/10 »Rhein-Pfeil« (später »Rheinpfeil«) ein, mit dem es bereits gelang, die Fahrzeiten des Vorkriegs-»Rheingold« zu unterbieten. Ab 17. Mai 1953 wurde aus dem hochwertigen »Rhein-Pfeil« der »Rheingold«; der bisherige »Rheingold« wurde in »Loreley-Expreß« (F 163/164) umbenannt. Mit dem am 3. Juni 1956 in Kraft tretenden Sommerfahrplan führte der »Rheingold« nach der europaweiten Klassenumstellung nur noch die 1. Klasse. Streckenertüchtigungen und die fortschreitende Elektrifizierung ermöglichten eine weitere Beschleunigung und Aufwertung des Zuges.

Die »Rheinblitz«-Gruppe
Wie »Rheingold« und »Rheinpfeil« nahm der Fernreiseverkehr allgemein einen Aufschwung, und wie vor dem Krieg gesellte sich weitere Zugprominenz in das Angebot. Zum Sommerfahrplan 1952 nahm die DB den Betrieb der markanten »Rheinblitz«-Gruppe auf.

Dabei handelte es sich um die in Dortmund zeitnah nacheinander startenden FT 38/138 über Duisburg bzw. FT 28/8 über Wuppertal, die in Köln wieder aufeinander trafen.

Von dort fuhren sie südwärts als »Rheinblitzgruppe« mit vier Einheiten (!) entlang des Rheins bis Mainz. In Mainz trennten sich ihre Wege wieder; der FT 38/138 fuhr über Frankfurt (M) nach Würzburg, der FT 28/8 nach Mannheim.

In Mannheim wurde die eine Triebwagen-Doppel­einheit getrennt; je ein Fahrzeug lief  solo nach Basel SBB (FT 8 »Rhein-Blitz«) bzw. über Stuttgart nach München (FT 28 »Rhein-Isar-Blitz«). Bei der anderen Doppeleinheit trennten sich in Würzburg die Wege: Der FT 38 »Rhein-Donau-Blitz« fuhr nach Nürnberg, der FT 138 »Rhein-Donau-Blitz« nach München. Zum Einsatz gelangten aufgearbeitete Schnelltriebwagen der Vorkriegszeit, wie:
  • SVT 040,
  • SVT 045,
  • SVT 061,
  • SVT 065,
  • VT 075,
  • außerdem der neue VT 085.
 
Auch lokbespannte hochwertige Züge kamen nun wieder vermehrt über die Magistrale auf dem linken Rheinufer. So bespannten frisch im Bw Frankfurt (Main)-Griesheim stationierte Dieselloks der Baureihe V 200 ab 1955 den F 33/34 »Gambrinus« Frankfurt (M) – Köln – Hamburg-Altona.

Ab 1956 fuhren V 200 des Bw Hamm P den F 3/4 »Merkur«. Als dann zum Sommerfahrplan am 2. Juni 1957 noch der internationale Trans-Europ-Express (TEE) mit den neuen Dieseltriebzügen der Baureihe VT 115 (anfänglich auch noch mit VT 085) eingeführt wurde, lag die Beförderung der hochwertigen Reisezüge vollends in der Hand der Dieseltriebfahrzeuge aus den Wirtschaftswunderjahren.

Ihr Glanz währte am Rhein nur relativ kurz. Bereits 1958 hing linksrheinisch der Fahrdraht und damit war der Weg frei für die Neubau-Elloks der Baureihe E 10.

Der neue »Rheingold«
Der steigende Bedarf an Komfort-Reisezügen, namentlich für den Geschäftsreiseverkehr, und die positiven Erfahrungen seit Einführung der TEE-Dieseltriebzüge der Baureihe VT 115 veranlassten die Deutsche Bundesbahn, sich wieder des »Rheingold« anzunehmen.

Seiten

Tags: 
Weitere Themen aus dieser Rubrik

Das große Bahn Extra-Winter-Gewinnspiel

Nehmen Sie jetzt am großen Eisenbahn-Magazin Winter-Gewinnspiel teil und gewinnen Sie tolle Preise! Das Mitmachen ist kinderleicht: Wählen Sie aus 24 Preisen Ihren... weiter

Allegra

Falls Sie nicht aus Graubünden kommen – wundern Sie sich nicht. „Allegra“ ist eine übliche rätoromanische Begrüßung, eine Form von „Freue Dich“, und die Rhätische Bahn... weiter

Schnelltriebwagen: Von den Reichsbahn-SVT bis zum Bundesbahn-403

Wenn Sie das nächste Mal an den Bahnhof Berlin-Lichtenberg kommen, sollten Sie es nicht versäumen, über die Bahnsteige hinweg einen Blick auf eines der seitlichen... weiter