Der Bahnhof Berlin Friedrichstraße: Die Grenzstation

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Außerhalb der Bahnhofshalle war es über Weichenstraßen möglich, von »West-Berliner« auf »Ost-Berliner« S-Bahn-Gleise zu wechseln. Nach der Auftrennung der S-Bahn in zwei Systeme ließen nur noch diese Gleise im Bahnhof Berlin Friedrichstraße einen Übergang von Werkstattzügen zwischen Ost und West zu. Der Bahnhof Friedrichstraße blieb so lange geöffnet, wie U- und S-Bahnen fuhren, also bis etwa 2 Uhr nachts. Wer danach kam, musste in speziellen Räumen des Bahnhofs übernachten.

Bereits 1962 überforderten die mannigfachen Kontrollen von Ein- und Ausreisenden die Kapazitäten des Bahnhofs. Deshalb entstand in nächster Nachbarschaft eine eigene Halle zur Abfertigung derjenigen, die aus der DDR ausreisen wollten, im Volksmund wegen der oft rührenden Verabschiedungsszenen »Tränenpalast« genannt.

Strenge Kontrollen und strikte, teils Menschen verachtende Abriegelung prägten den Betrieb für 28 Jahre. Mit dem Mauerfall musste der Bahnhof Friedrichstraße über Nacht einer komplett anderen Aufgabe gerecht werden. Galt es zuvor, die Reisen zu überwachen und zu reglementieren, so kam es jetzt darauf an, möglichst viele Reisende durch den Bahnhof zu schleusen. Bei aller Improvisation, die diese Umkehrung der Verhältnisse erforderte: Einen besseren Dienst hätte die Reichsbahn den Fahrgästen gar nicht erweisen können.  

Reiner Preuss/GM

Ein Artikel aus Bahn Extra 05/10

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