Der Berühmteste von allen

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In Rekordstückzahl beschafft
Einschließlich der Prototypen stellte die DRG von 1928 bis 1931 insgesamt 1.276 Wagen der Bauart Stadtbahn in Dienst: 638 Trieb- und 465 Steuerwagen sowie 173 führerstandslose Beiwagen. Letztere wurden ab 1929 beschafft, weil aufgrund des Einsatzes von Halb-, Dreiviertel- oder Vollzügen der Bedarf an Steuerwagen entfiel.

Während die Triebwagen nur die dritte Klasse führten, waren die Steuer- und die meisten Beiwagen in einen Bereich dritter Klasse und einen mit Polstersitzen ausgestatteten Zweite-Klasse-Raum unterteilt.

Alle Fahrzeuge besaßen von Beginn an druckluftbetätigte Türschließvorrichtungen und halbautomatische Scharfenbergkupplungen, die von Viertel- zu Viertelzug auch die Luftleitungen kuppelten. Die Trieb- und Steuerwagen hatten anders als ihre Vorgänger nur eine Frontlaterne in Stirnwandmitte, darunter eine Signallampe für Falschfahrten. Die schon bisher üblichen, als Schlussleuchten fungierenden Oberwagenlaternen behielt man bei.

Am augenfälligsten unterschieden sich die Stadtbahnwagen von den Vorgängerbauarten durch den zweifarbigen Außenanstrich: unterhalb der Fenster weinrot, im Bereich des davon mit einem schwarzen Streifen abgesetzten Fensterbands in der 2. Klasse blau und in der 3. Klasse ocker.

Ab 1933 kam ein roter Zierstreifen zwischen Fensterband und silberfarbener Dachpartie hinzu. Nach Abschaffung des Zweiklassensystems im Jahr 1946 erhielten auch die bisherigen Wagen 2./3. Klasse durchweg ein ockerfarbenes Fensterband.

Im Laufe der Jahrzehnte wurden die Farbtöne mehrfach variiert – wie sie exakt hießen, ist eine Wissenschaft für sich. Jedenfalls prägt Rot/Ockergelb das Bild der Berliner S-Bahn bis heute. Andere Farbkleider wie der ab 1984 im Ostnetz gültige Regelanstrich „Bordeauxrot/Elfenbeinbeige“ blieben eine Episode.

Quasi eine Doktorarbeit ließe sich auch über das mehrfach geänderte Nummernsystem schreiben. Hier nur soviel: Anfangs waren die Wagen fortlaufend vierstellig nummeriert. Ab 1941/42 liefen die Trieb-, Bei- und Steuerwagen als ET/EB/ES 165 mit dreistelligen Ordnungsnummern. Ab 1. Juni 1970 reihte sie die Deutsche Reichsbahn der DDR (DR) EDV-gerecht als Baureihe 275.0-8 ein. Ab 1992 wurden die Triebwagen als 475, die Bei- und Steuerwagen als 875 bezeichnet.

Kaum als eigenständige Bauart dürfte das Reisepublikum die 1932/33 beschafften Wannseebahnwagen (je 51 Trieb- und Beiwagen) wahrgenommen haben. Diese ab 15. Mai 1933 auf der Strecke vom Wannseebahnhof (nächst dem Potsdamer Fernbahnhof) über Zehlendorf nach Wannsee eingesetzten Fahrzeuge glichen den Stadtbahnwagen, aufgrund versenkter Nieten besaßen sie aber eine glatte Außenhaut.

In einigen konstruktiven Elementen leiteten sie schon zu den ab 1934 entwickelten Bauarten mit abgerundeter Kopfform über. So wurde das Schaltwerk nicht mehr elektropneumatisch, sondern durch einen Elektromotor angetrieben. Ab 1941/42 wurden die Wannseebahnwagen als ET/EB 165.8 eingereiht, ab 1970 als 275.9 und schließlich (sofern nicht modernisiert) ab 1992 mit der Baureihe 475 zusammengefasst.

Bis 1944 wuchs der Wagenpark der Berliner 
S-Bahn kräftig an, stückzahlmäßig blieb die Bauart Stadtbahn aber unübertroffen. Jahrzehntelang bildete sie die größte für deutsche Eisenbahnen gefertigte Triebwagenserie überhaupt!

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