Der Berühmteste von allen

Seiten


Im Westnetz nur „Oldtimer“
Während in Ost-Berlin bald modernisierte Fahrzeuge vorherrschten, rollten im Westteil der Stadt weiterhin nur solche alter Bauform. Dabei ratterte zwischen Zehlendorf und Düppel bis September 1980 stets einer der drei noch vorhandenen Viertelzüge mit Steuerwagen im Schaffnerbetrieb. Als weitere Exoten sind drei 1981/82 für den Spätverkehr zwischen Friedrichstraße und Charlottenburg wieder mit Steuerabteilen ausgerüstete EMB-Viertelzüge zu nennen.

Der ab 9. Januar 1984 für das Rumpfnetz in West-Berlin zuständigen BVG übergab die DR dann neben 95 für den Einmannbetrieb voll tauglichen 275er-Viertelzügen (darunter einer mit einem Beiwagen der Bauart Wannsee) auch 20 nur beschränkt einsetzbare „Passviertel“. Wegen akuten Wagenmangels musste die BVG im Februar/März 1985 auf der wieder eröffneten Wannseebahn einige Züge aber komplett aus Passvierteln bilden und deshalb mit Schaffnern besetzen.

Insgesamt 107 Viertelzüge ließ die BVG ab 1985 im Berliner Werk der Waggon-Union generalüberholen, wo man über den guten Allgemeinzustand der hochbetagten Fahrzeuge staunte! Zwölf Beiwagen bisheriger Passviertel wurden in EMB-Steuerwagen mit Sifa und Funk umgebaut.

In den Fahrgasträumen wich die unten kunstlederne, oben holzfurnierte Wandverkleidung kunststoffbeschichteten Platten mit heller Holzmaserung. Bereits von der DR installierte Leuchtstoffröhren wurden gegen eine modernere Version ausgetauscht und die alten Schaumgummisitze durch neue Polstersitze ersetzt.

Bis zuletzt liefen aber auch Wagen mit Holzbänken und anheimelnder Glühlampenbeleuchtung. Das gab es sonst fast nur noch bei Museumsbahnen, trotzdem waren gerade die schier unverwüstlichen Holzlattensitze bei den Fahrgästen beliebt. Mitte der 90er-Jahre durchgeführte Umfragen bestätigten es, viele wünschten sich sogar in den neuen Zügen der Baureihe 481 Holzbänke.

Für die Ewigkeit?
Inzwischen standen die nunmehrigen „475er“ im siebten Lebensjahrzehnt. Es schien, als wären sie für die Ewigkeit gebaut. Aber das täuschte, der Unterhaltungsaufwand war immens. Nach Beschaffung der Baureihen 480 und 485/885 in Serie zeichnete sich allmählich das Ende ab.

Anfang 1994 gelangten 92 betriebsfähige Viertelzüge der Baureihe 475/875 von der BVG zur Deutschen Bahn AG, außerdem 46 aus dem DR-Bestand. Häufig befuhren sie noch die Nord-Süd-Linien S 1 Oranienburg – Wannsee und S 2 Schönholz – Blankenfelde sowie die damalige S 10 Birkenwerder – Ostring – Spindlersfeld.

Ende Mai 1995 kamen Einsätze auf der neu eröffneten Nord-Süd-Linie S 25 Tegel – Lichterfelde Ost hinzu. Dagegen verschwanden die nicht modernisierten „Stadtbahner“ von ihrer namensgebenden Stammstrecke, auf der sie bereits 1994 nur noch selten anzutreffen waren.

Im Sommer 1997 kehrten die Klassiker überraschend auf die Stadtbahn zurück; wegen fehlender Feuerlöscher hatte man sie aus dem Nord-Süd-Tunnel verbannt. Ihre letzten planmäßigen Einsätze absolvierten sie auf der S 5 Charlottenburg – Strausberg Nord und auf der S 7 Potsdam – Ahrensfelde, ferner auf der S 10.

Bis November 1997 schrumpfte der Einsatzbestand auf 28 Viertelzüge. Am 21. Dezember 1997 bereitete die S-Bahn Berlin GmbH den Veteranen einen grandiosen Abschied mit einer Sternfahrt zum Ostkreuz: Dort trafen sich gegen 13 Uhr an allen acht Bahnsteigkanten 475er, etwa fünf Minuten später fuhren sie mit ohrenbetäubendem Pfeifen in alle Richtungen los.

Seiten

Tags: 
Weitere Themen aus dieser Rubrik

Das große Bahn Extra-Winter-Gewinnspiel

Nehmen Sie jetzt am großen Eisenbahn-Magazin Winter-Gewinnspiel teil und gewinnen Sie tolle Preise! Das Mitmachen ist kinderleicht: Wählen Sie aus 24 Preisen Ihren... weiter

Allegra

Falls Sie nicht aus Graubünden kommen – wundern Sie sich nicht. „Allegra“ ist eine übliche rätoromanische Begrüßung, eine Form von „Freue Dich“, und die Rhätische Bahn... weiter

Schnelltriebwagen: Von den Reichsbahn-SVT bis zum Bundesbahn-403

Wenn Sie das nächste Mal an den Bahnhof Berlin-Lichtenberg kommen, sollten Sie es nicht versäumen, über die Bahnsteige hinweg einen Blick auf eines der seitlichen... weiter