Der lange Abschied der Normalspur-Dampfloks

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Zurück in den Dienst

Angesichts der Ölknappheit wurden andere rostgefeuerte Exemplare reaktiviert. Zum Teil von Heizlokständen geholt und für den Streckendienst fit gemacht. Einst ölgefeuerte Lokomotiven wurden auf Rostfeuerung zurückgebaut, kamen aber zumeist über Heizdienste nicht hinaus. Selbst Museumslokomotiven ereilte dieser Rückbau. Das Intermezzo hielt zum Teil nur bis 1982/1983. Und doch ging es wieder kurz weiter – in Nossen oder Karl-Marx-Stadt- Hilbersdorf. Zwischen Schlettau und Crottendorf pendelte eine 86er-Tenderlok. Selbst eine Schnellzuglok 01 oder 03 feierte noch einmal eine Rückkehr vor D-Zügen im Saaletal oder im niedrigen Dienst nach Köthen und Aken.

Nach und nach erloschen dann die Feuer in Falkenberg, Kamenz, Bautzen oder Stendal, Salzwedel. Oft blieben nur „Alt-Herren-Pläne“ in Altenburg oder zum täglichen „Dampfloktreffen“ in Weichensdorf von Frankfurt (Oder) und Cottbus aus übrig. Womit nur einige der letzten Leistungen genannt sind. Vor allem die zahlreichen Heizlokdienste mit eigenen qualmen - den Anfahrten innerhalb der Hauptstadt der DDR erzürnten Arndt. Nicht wegen wirtschaftlicher Aspekte, sondern aus ganz privaten Gründen: Er wohnte in Baumschulenweg, dicht bei Schöneweide. Künftig musste man den Außenring nach Pankow und Lichtenberg nutzen.

Das Ende der Baureihe 41

Heute streiten sich die Experten im Netz, ob der tägliche Sonderdienst einer Falkenberger 52er ein Plandienst oder ein Sonderdienst einer täglich bereitstehenden „Dispo“-Lok war. So viel lässt sich sagen: Nach der Abschiedsfahrt des Bw Brandenburg am 16. Oktober 1987 kam 52 8184 noch zum Bauzugdienst. Und das planmäßige Dampf-Aus war gegeben, wenn die Reichsbahn den Dienstplan formell von Dampf auf Diesel umgestellt hatte und nicht eine fahrfähige Heizlokomotive im Sommer ihre Fristen zur Einsparung von Dieselkraftstoff abfuhr. Im November 1986 hatte das Bw Saalfeld für die Einsatzstelle Göschwitz den Einsatz der Baureihe 41 beendet. Am letzten Tag gab es Plandampf vom Feinsten: 01 1531 fuhr D-Züge, die 44 1093 Güterzüge und die drei 41er mühten sich vor verschiedensten Zügen! Währenddessen fuhren im Norden beim Bw Angermünde noch 52er auf den Nebenbahnen. Zur Streckelektrifizierung entdeckte so manches Bw wieder die 52er für den zu beheizenden Betonmischzug. Selbst das seit Jahren dampffreie Bw Neustrelitz hatte wieder eine Dampflok.

Dem Dampf-Aus entgegen

Doch das Ende im Plandienst war absehbar. Nur vollzog es sich etappenweise – immer wieder ergänzt durch sehenswerte Abschiedsveranstaltungen. So gab es ein gigantisches Stelldichein mit mehreren Sonderzügen des Deutschen Modelleisenbahn-Verbands (DMV) und der Deutschen Reichsbahn am 23. Mai 1987 in Kamenz zum dortigen Dampf-Ende. Plötzlich stand die farblich unansehnliche 52 8138 da und der Lokführer übergab das Betriebsbuch dem Bw-Chef. Zum Jubiläum „60 Jahre Baureihe 86“ verabschiedete die Rbd Dresden mit dem DMV im Bw Glauchau am 11. und 12. Juni 1988 ihre letzte Plan-Dampflok. Hier fuhr Lok 50 3670 mit großem Schild und langem Pfeifkonzert in den Schuppen ein und die Tore schlossen sich.

Somit blieb 1988 nur ein Umlauf für drei Dampfloks in der Einsatzstelle Oschersleben. Dem „Mutter“-Bw Halberstadt kam die Ehre zu, am 29. Oktober 1988 die letzten Umläufe zwischen Magdeburg – Halberstadt und Thale mit Dampflokomotiven zu fahren. Damit endete offiziell der regelspurige planmäßige Dampflok-Einsatz bei der DR. Doch von einem absoluten Ende konnte nicht die Rede sein. Geheizt mit Dampflokomotiven wurde auch weiterhin. Rund 400 regelspurige Exemplare der Baureihen 41, 44, 50, 52 und einiger Einzelgänger in unterschiedlichsten Zuständen blieben über die Honecker-Zeit hinaus im Einsatz. Sie erlebten die Wende und (zumeist nur in den Unterlagen) sogar noch ihre Umzeichnung. So manche Normalspur-Dampflok verschlug es nach dem Abschied vom Oktober 1988 noch in den Streckendienst – zwar als Ausnahme, aber immerhin. Für dampfbegeisterte Eisenbahnfreunde lohnte sich der Besuch bei der DR also auch über den Oktober 1988 hinaus.

AUTOR: Michael Reimer  FOTOS: Rudolf Heym, Wolfgang Dath, Bodo Schulz, Volker Emersleben

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