Der Sonderweg

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Schrittweiser Aufbau
Die Bahn-Historie begann in dem Alpenland am 7. August 1847. Damals verkehrte der erste Zug in der Schweiz, die „Spanisch-Brötli-Bahn“ von Zürich nach Baden. Danach ging es – mit einigen Irrungen und Wirrungen – steil bergauf. Das Eisenbahngesetz von 1852 eröffnete Privatbahnen die Möglichkeit zum Streckenbau.

Der Bedarf, viele, auch unwegsame Regionen zu erschließen, sorgte für reges Bauinteresse. Bis 1865 wuchs das Schienennetz auf 1.263 Kilometer an. Alle wichtigen Städte zwischen Bodensee und Genfersee waren angebunden, auch wenn die Bahnen unter finanziellen Problemen litten.

Ein neues Eisenbahngesetz hielt am Privatbahnbau fest, gab dem Bund aber mehr Einfluss durch das Erteilen und Erneuern von Konzessionen. Politische Umwälzungen machten die Bahn zum Objekt der Machtpolitik, führten zu Parallelplanungen und zum Bankrott einer Bahngesellschaft.

Trotzdem war 1880 das normalspurige Schienennetz 2.448,5 Kilometer lang. Der Gotthard als Transitstrecke und die Zufahrtslinien Luzern – Immensee und Zug – Arth-Goldau wurden gebaut. Damit war das Hauptstreckennetz vollständig, als es die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) am 1. Januar 1902 übernahmen.

Einziger „Sonderling“ im SBB-Netz blieb die meterspurige, teilweise mit Zahnstange ausgerüstete Brünigbahn Luzern – Meiringen – Interlaken Ost. Allgemein wuchs der Transitverkehr durch die Schweiz, bei Personen wie Gütern, was die Eisenbahn noch mehr förderte (und forderte).

Touristische Bahnen
Dazu kam seit dem späten 19. Jahrhundert der wachsende Tourismus. Ob nebelgeplagte Briten im sonnigen St. Moritz oder betuchte Deutsche und Russen auf Sommerfrische an den Alpenpässen, der Urlaubsverkehr boomte und mit ihm die Eisenbahn.

Zahlreiche neue Bahngesellschaften errichteten Schmalspur- und Bergbahnen mit touristischer Orientierung. Aus all diesen regionalen, lokalen, touristischen Bahnen und Bähnchen ragte die Rhätische Bahn (RhB) als „Bündner Staatsbahn“ hervor, deren Stammnetz durch Fusionen erweitert wurde.

Der Erste Weltkrieg und die anschließende Weltwirtschaftskrise bedeuteten für zahlreiche Bauvorhaben das Aus. Das Streckennetz veränderte sich in den nächsten Jahren kaum, bei den Bahngesellschaften führten finanzielle Probleme zu Fusionen.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfasste dann eine Stilllegungswelle Straßenbahnen und jene (schmalspurigen) Nebenstrecken, die in oder unmittelbar neben einer Straße verliefen und dem Autoverkehr Platz machen mussten. Oft war auch das Rollmaterial überaltert.

Dennoch hielten sich die Auswirkungen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern in Grenzen. Noch immer (oder gerade jetzt) gab es vitales touristisches Interesse an der Schweiz, die Eisenbahnen waren als Transportmittel gefragt. Außerdem empfahl sich die Schiene oft als bestmögliche Verbindung. Buslinien wurden in vielen Fällen nicht zur Konkurrenz, sondern zum Zubringer der Eisenbahnen.

Projekte in jüngerer Zeit
In den letzten Jahren gibt es nun wieder namhafte Erweiterungs- und Modernisierungsprojekte. 1999 wurden die Vereina-Linie und der Vereina-Tunnel der RhB fertig gestellt (Länge 22 Kilometer), 2003 und 2004 die zweite Doppelspur Zürich – Thalwil (zehn Kilometer) und die Neubaustrecke Mattstetten – Rothrist (45 Kilometer).

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