Die erste Einheitslok

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Start mit zwei Prototypen
In dieser Situation entschieden sich die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) im Jahre 1949, zunächst zwei Prototypen einer universell im Güter- und Personenverkehr einsetzbaren Gotthardlok mit einem höchst anspruchsvollen Lastenheft zu bestellen. Die neuen Lokomotiven sollten 600 Tonnen schwere Züge die langen Gotthard-Rampen (26 Promille Steigung) mit 75 km/h hinaufbefördern und auf den Zulaufstrecken bei 125 km/h noch acht Tonnen Zugkraft entwickeln können.

Den Zuschlag für die Herstellung von zwei Prototypen erhielt ein Konsortium aus zwei schweizerischen Firmen. Den mechanischen Teil konstruierte und baute die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) in Winterthur, während die Brown Boveri & Cie (BBC) mit Sitz in Baden für den elektrischen Teil verantwortlich war.

Die guten Erfahrungen mit dem Einzelachsantrieb in den ersten laufachslosen Drehgestellloks der Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn (Ae 4/4, 1944) und der SBB (Re 4/4I, 1946) führten zu einer vollkommen neu konstruierten Lokomotive mit zwei dreiachsigen Drehgestellen, wobei jede Achse von einem 1.000 PS starken Motor angetrieben wurde (Achsfolge Co’Co’).

Mit der Stundenleistung von 4.300 kW und einem Adhäsionsgewicht von 6 x 20 Tonnen konnten die Loks die Leistungsanforderungen problemlos erfüllen.  Als aber der erste Prototyp, die Ae 6/6 11401, am 4. September 1952 erstmals die Hallen des BBC-Werkes Münchenstein verließ und routinemäßig gewogen wurde, brachte er 124 Tonnen auf die Waage.

Das Gewicht lag damit deutlich über der Toleranzgrenze von 120 Tonnen ± 2 %, so dass die Lok umgehend zur Nachbesserung zur SLM zurückgeschickt wurde. Zusammen mit der am 31. Januar 1953 abgelieferten Schwestermaschine 11402 wurde Lok 11401 nach ihrer Rückkehr einem umfangreichen Testprogramm unterzogen.

Die SBB stationierten beide Loks in Erstfeld und schickten sie vor Planzügen über den Gotthard. Obwohl die beiden Vorserienloks das Pflichtenheft erfüllten, offenbarten sie dennoch Optimierungspotenzial für die Serie.

Eine wichtige Änderung betraf die elektrische Bremse, die sich mit einer Auslegung für 300 Tonnen Zuggewicht bei 20 Promille Gefälle für die langen Talfahrten mit langen Güterzügen auf den Gotthardrampen als viel zu schwach entpuppte. Zu lauftechnischen Problemen führten die dreiachsigen Drehgestelle mit starr gelagerten Radsätzen.

In den zahlreichen engen Kurven der Gotthardbahn kam es zu einem enormen Verschleiß sowohl an den Rädern und als auch an den Schienen. Als Gegenmaßnahmen erhielten die Serienloks in Querrichtung seitenelastisch (weich) gelagerte Radsätze, der Spurkranz der mittleren Räder wurde verkleinert.

Serienbau und Einsätze
Von 1955 bis 1966 fertigte die SLM insgesamt 118 Serienloks mit den Nummern 11403 bis 11520. Den elektrischen Teil für 62 Exemplare lieferte wie bei den Vorserienloks die BCC, für die übrigen 56 Maschinen die Maschinenfabrik Oerlikon (MFO). Der Einsatzbereich der neuen Lokomotiven konzentrierte sich sofort auf die Gotthardstrecke, wo sie die Traktion regelrecht revolutionierten.

Praktisch alle Reise- und auch alle Güterzüge bis zu einem Gewicht von 650 Tonnen konnten sie alleine mit der Streckenhöchstgeschwindigkeit (75 bzw. 80 km/h) die Rampen hinaufziehen.

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