Die erste Einheitslok

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Gemeinde- und Kantonsloks
Darüber hinaus entwickelte sich die Ae 6/6 zum Symbol der modernen SBB. Um die Lokomotive auch in den Regionen abseits der Gotthardachse zu präsentieren und so die Identifikation der schweizerischen Bevölkerung mit ihren Bundesbahnen zu erhöhen, schmückte man die Loks mit dem Schweizer Kreuz auf der Stirnseite und Kantons- oder Gemeindewappen auf den Seitenwänden.

Im Rahmen von meist groß angelegten Tauf-Zeremonien unter Einbeziehung der örtlichen Folklore erhielten die Ae 6/6 11426 bis 11450 die Namen der Schweizer Kantonshauptorte und die höheren Nummern Namen weiterer Städte und Gemeinden. Eine ganz besondere Ehre wurde den Loks mit den Nummern 11401 bis 11425 zuteil, da sie dazu auserkoren waren, die Wappen der 25 Kantone der Schweiz zu tragen.

Um sie gegenüber den „gewöhnlichen“ Ae 6/6 hervorzuheben, zierte die Kantonsloks nicht nur das entsprechende Kantonswappen, sondern zusätzlich entsprechend dem damaligen Zeitgeschmack eine um­laufende Chrom­leiste, ergänzt durch zusätzliche kürzere Leisten unter den Führerstandsfenstern („Schnäuzchen“). Auch nach ihrer Umlackierung in die rote Farbgebung ab 1984 blieb ihnen der Schmuck erhalten.

Mit der Gründung des neuen Kantons Jura zum 1. Januar 1979 entstand auch eine 26. Kantonslok. Dazu tauften die SBB die Ae 6/6 11483 von „Porrentruy“ in „Jura“ um. Sie erhielt zwar das entsprechende Wappen, der Chomleistenschmuck der übrigen Kantonsloks blieb ihr aber verwehrt. Mit der 11482 existierte bereits eine Lok mit Namen des neuen Kantonshauptortes „Delémont“, so dass die Umbenennung einer weiteren Maschine nicht erforderlich war.

Auch im Ausland fanden die Ae 6/6 gebührende Beachtung. So wurde die „Stadt Genf“ (11450) auf der Weltausstellung in Brüssel von einem breiten Publikum bestaunt.

Als Ende der 60er-Jahre die belgische Staatsbahn (SNCB) den Bau einer Schnellfahrlokomotive mit dreiachsigen SLM-Drehgestellen plante (spätere Serie 20), war die Kantonslok 11414 („Bern“) zu Gast in Deutschland und erreichte bei Schnellfahrten auf der Strecke Bamberg – Forchheim mehrfach 200 km/h. Dazu hatte die Lok zuvor eine veränderte Getriebeübersetzung (1:1,6) erhalten, bei der Wiegenfederung wurden die beiden Blattfedern durch Flexicoil-Schraubenfedern ersetzt.

Von den Bergen ins Flachland
Die inzwischen als „Gotthardlok“ bezeichnete Universallok Ae 6/6 prägte 15 Jahre lang die Traktion auf der Bergstrecke, wo sie in den 60er-Jahren fast alle Schnell- und nahezu alle Güterzüge bespannte. Auch auf der Simplonbahn mit ihrer 25-Promille-Rampe zwischen Domodossola und dem Simplontunnel konnte sie ihre Leistungsfähigkeit beweisen.

Die ersten Konkurrenten erschienen am Gotthard Ende der 60er-Jahre mit den Loks der Serie Re 4/4II, die  in Doppeltraktion Schnellzüge beförderten, und ab 1971 mit den 20 Loks der Serie Re 4/4III, einer Bergvariante der Re 4/4II mit angepasster Getriebeübersetzung.

Die endgültige „Vertreibung“ der Ae 6/6 von der Bergstrecke vollzogen aber die 85 zwischen 1975 und 1980 beschafften Loks der Serie Re 6/6, die mit ihren drei zweiachsigen Drehgestellen und fast doppelter Leistung (7.850 kW) als neue Universallokomotiven am Gotthard auserkoren waren.

Das Einsatzgebiet der Ae 6/6 verlagerte sich nun weitgehend ins Mittelland, wo sie zunächst hochwertige Güterzüge von den Altbauloks übernahmen. Dort konnten sie fast alle Züge in Einfachtraktion ziehen, beispielsweise die schnellen Transitzüge von Buchs nach Basel und Genf, die schweren Ölzüge von Cornaux und St.

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