Die Frankenwaldbahn Lichtenfels – Saalfeld

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Beim nächtlichen Zugaufenthalt in Ludwigsstadt war auch in den 80er-Jahren noch das Rote Kreuz mit heißem Tee zur Stelle, gerade so, als ob hier nach wie vor Spätheimkehrer aus russischer Kriegsgefangenschaft oder verhärmte Sowjetzonenflüchtlinge verpflegt werden müssten. Die Fürsorge für die Reisenden konnte indes nicht verhindern, dass die DDR mit ihrer feindseligen Abschottung die Trennung wirkungsvoll umsetzte, selbst wenn der deutsch-deutsche Zugverkehr gelegentlich die Absperrungen überwand. Wer in jener Zeit aus anderen Teilen der Bundesrepublik nach Ludwigsstadt kam, hatte schnell das bedrückende Gefühl, hier kurz vor dem Ende der Welt zu sein. Das „Zonenrandgebiet“, strukturschwach und durch Hilfsmaßnahmen des Bundes gefördert, lag weit ab vom Geschehen und in Agonie. Die Frankenwaldbahn präsentierte sich als vergessene Magistrale, als Bahnverbindung im Dornröschenschlaf. Da half es nicht, dass Ludwigsstadt ähnlich gut an das Bundesbahn-Netz angeschlossen war wie die Nebenfernstrecken anderswo in der Bundesrepublik und weitab von der innerdeutschen Grenze.

Alles anders durch den Mauerfall
Niemand hätte gedacht, dass sich diese Situation quasi über Nacht ins Gegenteil verkehren würde. Vom 9. November 1989 an streifte wieder der Mantel der Geschichte über Loquitztal, Frankenwaldbahn und die längst überwachsene Straße. Mit einem Mal war die Grenze offen, drängten reisewillige DDR-Bürger in überfüllten Plan- und Zusatzzügen euphorisch nach Westen.

Die Jubelstimmung jener Tage wurde die Vorstufe zur Rückkehr in die Normalität. Vom 3. Oktober 1990 an gab es hier nur die Grenze zwischen zwei Bundesländern, ähnlich, wie sie schon 1885 bestanden hatte. Und wieder ein Jahrzehnt später verliefen eine zweigleisige elektrische Hauptbahn mit moderner Oberleitung und eine gepflegte Autostraße so selbstverständlich von Süd nach Nord, als hätte es hier nie irgendeine besondere Fußnote der Geschichte gegeben.
Noch einmal zurück zum Oktober 1990: Damals hörten die nächtlichen D-Zug-Reisenden in dem kleinen Bahnhof den Hinweis „Probstzella, die genaue Uhrzeit: 3 Uhr 27.“ Auch wenn alle politischen Besonderheiten beseitigt waren – die Zeitansage hatte sich gehalten. Andreas Knipping/THD

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