Die Konkurrenten der DB

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Wettbewerb im Güterverkehr 
Im Güterverkehr lässt sich das nicht so pauschal sagen. Reine Traktionsleistungen sind wenig risikobehaftet, dafür unterliegen sie einem starken Konkurrenzkampf. Teilweise sorgen die Bahnunternehmen selbst für die Auslastung und tragen somit das Risiko für die Verkehrsleistungen. TX Logistik etwa stellt heute nicht nur Loks für Züge des Kombinierten Ladungsverkehrs, sondern betreibt zusätzlich eigene Zugverbindungen. Der Einzelwagenverkehr ist besonders aufwendig und schwierig kalkulierbar, wodurch sich das Engagement hier auf wenige Projekte beschränkt. Der internationale Güterverkehr schließlich verlangt hohen organisatorischen Aufwand. Deshalb agieren hier meist große Unternehmen, selbst wenn kleine Konkurrenten heute bei Miet- und Leasingunternehmen problemlos Loks und Wagen beschaffen könnten.

Eine gewichtige Rolle spielt dabei auch die Preisspirale, die gerade für Ganzzüge oder Traktionsleistungen im Kombinierten Verkehr (z.B. Containerzüge) besteht. Der Spielraum für die Abgabe von Angeboten ist gering, und hier gibt es mittlerweile nicht nur den Wettbewerb zwischen DB und Privaten, sondern auch unter den privaten EVU. Der Preiskampf dürfte so manchen Verkauf oder die Insolvenz eines Bahnunternehmens beschleunigt, wenn nicht gar ausgelöst haben. Böse Zungen werfen der DB heute noch die Abgabe von Dumpingangeboten vor, um der Konkurrenz das Leben schwer zu machen. Beweise dafür gibt es nicht. Zugleich haben viele Unternehmen erkannt, dass die Konkurrenz nicht bei der DB oder anderen Bahnen, sondern den Spediteuren auf der Straße liegt. Daher konzentrieren sich immer mehr Unternehmen auf bestimmte Bereiche und werden zu Spezialisten, die auch langfristig eine Chance haben.

Nicht alles, was glänzt, ist Gold
Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben sich mit der Privatisierung prinzipiell verbessert. Es entstanden viele neue Arbeitsplätze, wobei teilweise auch nur Leistungen von der DB zur Konkurrenz verlagert wurden. Neben ehemaligen DB- oder DR-Eisenbahnern, die bei den „Privaten“ einen neuen Arbeitsplatz fanden, wurden auch aus anderen Berufsgruppen neue Eisenbahner rekrutiert. Heute bieten einige Privatbahnen für junge Menschen einen
Ausbildungsplatz, beispielsweise für die dreieinhalb Jahre dauernde Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst. Ganz im Gegensatz dazu stehen die Umschulungen, die wie auch bei der DB häufig nur neun Monate oder weniger benötigen. Hier stellen sich erfahrene Eisenbahner nicht umsonst die Frage, ob diese Kollegen wirklich in allen Situationen vollständig ausgebildet sind.

Ein weiteres Problem, das der Löhne, gelangte gerade im Jahr 2011 in die Öffentlichkeit. Denn mit den fest stehenden Preisen für Trassen, Energie und Fahrzeuge haben die Unternehmen nur einen geringen Spielraum im Wettbewerb. Daher erheben gerade auch Eisenbahner den Vorwurf, dass Vorteile im Wettbewerb durch Senkung der Lohnkosten herausgeholt werden – was die jüngsten Tarifauseinandersetzungen mit der Lokführergewerkschaft GDL unterstreichen. Letztlich haben aber auch die Aufgabenträger aus diesen Problemen gelernt und fordern heute bei Ausschreibungen meist eine Tarifbindung der Bewerber. Lokführer sind mittlerweile wieder stark gesucht, wodurch sich viele nicht an ein Unternehmen, das Lohndumping betreibt, binden müssen. Der Vorwurf ist dennoch sicher in Teilen berechtigt.
 

Schlanke Verwaltung mit Folgen
Ein klarer Wettbewerbsvorteil für die privaten Bahnunternehmen gegenüber der DB liegt in der deutlich schlankeren Verwaltung. Das fängt bei der Disposition und der Buchhaltung an, geht über die mittlere Leitungsebene und das Notfallmanagement bis hin zur Geschäftsführung. Noch heute gibt es viele Unternehmen, bei denen etwa der Chef selbst Lok fährt und die Chefin sich um die Buchhaltung kümmert. Aber auch hier ist nicht alles immer perfekt: Gerade im Güterverkehr ist eine täglich rund um die Uhr erreichbare Disposition unumgänglich, was bei vielen kleineren Unternehmen über eine Rufbereitschaft bei Nacht gelöst wird. Von einer Ruhe für die in der Disposition beschäftigten Mitarbeiter kann hier nicht unbedingt die Rede sein. Der Vorteil eines Disponenten, der selbst Lok fahren kann, liegt zum einen in der Erfahrung und zum anderen in der Möglichkeit, notfalls selbst eine Lokführerschicht zu übernehmen.

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