BE 3/21, Seiten 90-96

Fahrzeuge: Neue Arbeit für die "Dicken"

228 zwischen DB und DR: 
Große Überraschung im Südharz: Von 1993 an durfte sich die Baureihe 228 auf der Verbindung Nordhausen – Göttingen/– Altenbeken beweisen.
Es war nicht der erste, aber ein stimmungsvoller Auftritt der kräftigen Sechsachser 
 
DR und DB zusammen: 1994 im DB-Bahnhof Herzberg (Harz) © Dirk Endisch
Im Frühjahr 1993 machte ein Gerücht unter den Eisenbahnfreunden im Harz die Runde. Das Bahnbetriebswerk (Bw) Nordhausen soll Dieselloks der Baureihe 2286–8 (ehemals 1186–8 bzw. V 1802-4) erhalten und auf der als „Südharzstrecke“ bezeichneten Hauptbahn Nordhausen – Ellrich – Walkenried – Northeim (Han) einsetzen. Die Sechsachser sollen Eilzüge von und nach Altenbeken und Göttingen bespannen. Das klang alles wenig glaubhaft, denn die „Dicke Babelsbergerin“*, wie die jüngeren Eisenbahnfreunde die Baureihe 2286–8 nannten, hatte seit 1990/91 erheblich an Bedeutung verloren. Dafür gab es im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen war durch die politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen nach 1990 der Personen- und Güterverkehr auf den Strecken in den neuen Bundesländern förmlich zusammengebrochen. Dies führte zu einem erheblichen Fahrzeugüberhang, zahlreiche Diesel- und Elektroloks rollten auf das Abstellgleis. 
Zum anderen hatten sich die Perspektiven für die zukünftige Entwicklung des Fahrzeugparks durch die gemeinsame Verwaltung der Deutschen Reichsbahn (DR) und der Deutschen Bundesbahn (DB) erheblich verändert. Die Richtlinien gaben nun meist Bundesbahner vor und da gab es bei der Dieseltraktion zwei Grundsätze – keine zweimotorigen Maschinen aufgrund der höheren Instandhaltungskosten und keine dreiachsigen Drehgestelle, denen ein schlechteres Laufverhalten und ein höherer Verschleiß an den Radreifen und Gleisbögen nachgesagt wurde. Mit diesem Paradigmenwechsel galt die 2286-8 eigentlich als nicht mehr zeitgemäß. Ein weiterer Nachteil war ihre Dampfheizung, auf die Bundes- und Reichsbahn so schnell wie möglich verzichten wollten. Diese Entwicklung hatte dramatische Folgen für den Bestand. Zählten bei der Einführung des gemeinsamen Baureihen-Schemas von DB und DR am 1. Januar 1992 noch 179 Exemplare der 2286-8 zum Betriebspark, waren es zwei Jahre später nurmehr 98. Und da sollte die Baureihe 2286–8 in den Südharz zurückkehren?

Die V 180 in Nordhausen
Die ehemalige Baureihe V 1802–4 war im traditionsreichen Bahnbetriebswerk Nordhausen keine Unbekannte. Im September 1968 hatte die DR die Ersten dieser Dieselloks dort stationiert.  Die Loks der Baureihe V 1802–4 lösten in erster Linie die Baureihe 41 ab und waren nun vor Eil- und Personenzügen auf der Strecke Halle (Saale) – Nordhausen – Arenshausen im Einsatz. Güterzüge auf der Relation Nordhausen–Bleicherode–Bischofferode (Eichsfeld) und Reisezüge nach Erfurt (ab 1972) ergänzten den Dienstplan, für den meist fünf Maschinen benötigt wurden. Die im Güterverkehr noch über die innerdeutsche Grenze hinweg bediente Südharzstrecke kam bei den Einsätzen damals allerdings nicht vor. 
Mit dem Fahrplanwechsel am 22. Mai 1977 übernahm die Baureihe 132 dann nahezu alle Leistungen der Baureihe 1182–4, für die jetzt nur noch ein Dienstplan in der Einsatzstelle (Est) Ebeleben bestand. Dieser Umlauf sah neben Personenzügen auf der Strecke Erfurt–Nordhausen auch einzelne Güterzüge vor, wurde aber im Frühjahr 1978 beendet. 118 236 verließ als vorerst letzte Maschine ihrer Baureihe am 19. Juni 1978 das Bw Nordhausen. Neben einigen Loks der Baureihe 5280 erhielt das Bw ab November 1981 auch einzelne Exemplare der Baureihe 1182–4/1186–8, die aber bereits im Mai 1982 wieder ausgedient hatten. Nach Abschluss des Traktionswechsels am 25. Mai 1983 hielt die Dienststelle Nordhausen für den Streckendienst ausschließlich Dieselloks der Baureihen 110/112, 119 und 132 vor.

Neue Aufgaben 

Seiten

Fotos: 
Dirk Endisch
Weitere Themen aus dieser Rubrik

Galerie: Bei den Schwerathleten

44 im Raum Ottbergen: 
Im südlichen Weserbergland kündigt sich im Frühjahr 1976 der Abschied von der Dampflok unaufhaltsam an. Grund genug, 
die Gegend um... weiter

Züge: Nicht immer systemtreu

Vier Züge im Kurzporträt:
Vier bis sechs Wagen waren für rein erstklassige Intercity-Züge typisch. Doch es gab auch wesentlich längere Garnituren, andere Züge...

weiter

Besonderes Bild: Ein Blick auf den "Wien-Holland-Express"

D 301 in Rüdesheim: Eine Begegnung vor 60 Jahren