BE 3/21, Seiten 90-96

Fahrzeuge: Neue Arbeit für die "Dicken"

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228 751, 228 788 und 228 791 ein, die zum Jahreswechsel 1993/94 zu den insgesamt letzten sechs Lokomotiven ihrer Baureihe gehörten, die im Reichsbahnausbesserungswerk Chemnitz eine Zwischenuntersuchung (V 6) erhielten. Zunächst wurde 228 791 (16.11.1993–11.01.1994) instandgesetzt, auf sie folgten 228 751 (28.12.1993–11.02.1994) und 228 788 (16.11.1993–11.01.1994). Technisch unterschieden sich die drei Maschinen nun durch ihren separaten Heizöltank für den Heizkessel von den anderen Fahrzeugen der Baureihe 2286–8.

Die Zeit bei der Deutschen Bahn AG
An den Einsätzen änderte sich auch nichts, als der Betrieb Anfang des Jahres 1994 auf die DR-Nachfolgerin Deutsche Bahn AG überging. Der aus dem Bw hervorgegangene Betriebshof (Bh) Nordhausen musste lediglich einen Engpass im 228-Bestand ausgleichen, was insbesondere durch die kurzzeitige Hilfe der 228 695 geschah. Die am 23. März 1994 aus Wustermark zugegangene 228 742 aus Wustermark wurde dagegen wegen ihres schlechten Gesamtzustandes nach nur wenigen Tagen zurückgegeben.
Zu diesem Zeitpunkt zeichneten sich bereits erhebliche Einschränkungen für den Einsatz der Baureihe 2286–8 im Bh Nordhausen ab. Die DB AG trieb die Elektrifizierung der Strecke Nordhausen – Arenshausen – Eichenberg mit Hochdruck voran. Als schließlich am 29. Mai 1994 die durchgehende elektrische Zugförderung auf der Verbindung Halle (Saale) – Nordhausen – Eichenberg aufgenommen wurde, endete der durchgehende Güterverkehr auf der Südharzstrecke. Tags zuvor hatten 228 751 und 228 766 letztmalig den Dg 55635 von Göttingen nach Nordhausen geschleppt.
Fortan bestand im Bh Nordhausen für die Baureihe 2286–8 nur noch der zweitägige Dienstplan 70, der ausschließlich Eilzüge nach Altenbeken und Göttingen vorsah. Außerdem hielt die Lokleitung in Nordhausen zwei Maschinen für Sonderdienste vor, unter anderem für Güterzüge auf dem Abschnitt Nordhausen – Scharzfeld. Ab 25. September 1994 ergänzte montags bis freitags das Zugpaar N 6626/6629 Nordhausen – Sondershausen den Umlauf, für den nach der z-Stellung der 228 686 ab 4. August 1994 noch fünf Exemplare der Baureihe 228.6–8 zur Verfügung standen. Meist schickten die Lokleiter 228 751, 228 788 und 228 791 ins Rennen. Damit gehörte Nordhausen neben den Betriebshöfen Erfurt (Einsatzstelle Arnstadt) und Magdeburg-Rothensee (Einsatzstelle Brandenburg) zum Jahreswechsel 1994/95 zu den letzten drei Dienststellen, die planmäßig die Baureihe 2286–8 einsetzten. 

Abschied von Nordhausen
Im Frühjahr 1995 war schließlich das Dienstende bei dem Eisenbahnknoten im Südharz absehbar. Nach der Umsetzung der 228 766 (am 13. Februar des Jahres) und der 228 767 (am 28. April) umfasste der Bestand der 2286–8 im Bh Nordhausen nur noch drei ­Maschinen. 228 751 beendete schließlich mit dem E 6763 Altenbeken – Nordhausen am Abend des 27. Mai 1995 den Planeinsatz. Schon einen Tag zuvor hatte der zuständige Geschäftsbereich (GB) Traktion die Maschine als letztes Exemplar ihrer Baureihe dem Bh Erfurt zugeteilt.
Zunächst verblieben 228 751, 228 788 und 228 791 noch im Bh Nordhausen, da dieser leistungsfähige Dieselloks für das durchschnittlich einmal in der Woche verkehrende Ganzzugpaar 56680/56681 nach Scharzfeld benötigte. Der Leerzug zum Werk Scharzfeld der Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke AG erforderte zwar meist nur eine Maschine, doch für die mit Kalkdünger beladene Rückleistung waren ab einer Last von 1.000 Tonnen zwei 228 notwendig. Im September 1995 verließen 228 751, 228 788 und 228 791 dann doch den Südharz und beendeten ziemlich unspektakulär die Geschichte der Babelsbergerinnen in Nordhausen. 
Bis dahin aber hatten sie Eisenbahnfreunde in Ost und West verzückt. Ganz gleich, ob in Göttingen, Altenbeken, Ellrich oder Nordhausen, ob vor Eilzügen, im Nahverkehr oder mit Güterwagen: Wer die kraftvollen Sechsachser mit ihrem satten Sound im Harz erleben durfte, möchte diesen Eindruck nicht mehr missen.

Von Dirk Endisch 
Ein Artikel aus BAHN EXTRA/BAHN EPOCHE 03/21 

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Fotos: 
Dirk Endisch
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