BE 3/21, Seiten 74-79

Galerie: Bei den Schwerathleten

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In den 80er-Jahren dehnte sich mein Aktionsradius in Richtung Österreich, Schweiz und Frankreich aus, die DDR-Reisen entfielen. So interessant dieses andere Deutschland auch war, ich war jedesmal froh, wenn ich es ohne Filmverlust wieder verlassen hatte. Umso beeindruckender war für mich die in dem historisch kurzen möglichen Zeitfenster erfolgte friedliche Wiedervereinigung, die jetzt wieder neue Anreize zu Reisen in die „neuen“ Bundes-länder und zur Reichsbahn bot. Doch auch hier war es ein Wettrennen mit der Zeit. War der Umbau zu einer betriebswirtschaftlich optimierten Bahn im Westen eher schleichend geschehen, ging er im Osten in brachialem Tempo voran. Die Bahnfotografie wird nicht einfacher. Selbst bei den Neubaustrecken wie beispielsweise Köln – Frankfurt mit ihren tollen Brückenmotiven musste man schnell sein, bevor alle Möglichkeiten durch hoffnungslose Begrünung wieder zugewachsen waren.

Neue Techniken in der Fotografie
Seit 2007 bin ich in digitaler Fototechnik unterwegs (zunächst Canon 1Ds, dann ­später die Canon 5Ds), ab 2018 ergänzt durch eine Drohne (DJI Mavic 2 Pro). Nach 
50 Jahren der Eisenbahnfotografie gibt es natürlich viele Wiederholungen; die Premieren werden einfach im Alter seltener. Aber dennoch gelingt es mir, gelegentlich den zum Weitermachen motivierenden „Kick“ zu erhalten – mit einem besonderen Zug, einer tollen Wetterstimmung, einer neu entdeckten Fotostelle, einer schönen Dampfwolke eines Fotozugs. 
Ein klassischer Fall der „Intrinsischen Motivation“ eben, die dann am stärksten ist, wenn etwas nicht immer funktioniert, aber funktionieren könnte. Und so werde ich hoffentlich noch länger am Bahndamm stehen (oder auf meinem Campingstuhl sitzen) und auf ein gelungenes Foto warten. Erst wenn der letzte Zug von den Graffiti-Schmierern mit dem Niveau eines die Hausecken anpissendes Hundes verseucht, die letzte Fotostelle mit einer bei immer leiser werdenden Zügen unsinnigen Lärmschutzwand verschandelt und die letzte Freifläche an einem Bahnhof mit einer Discounter-Filiale bebaut ist, werde ich wohl aufgeben. Und selbst dann bleiben die Erinnerungen an die schönen Erlebnisse, die Top-Reiseziele, die Bilder von dort, an die ich immer gern zurückdenke. 
 

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Fotos: 
Georg Wagner
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