Reichsbahn und NS-Propaganda

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Auch zu anderen Anlässen erhielten Fahrzeuge und Bahnanlagen nationalsozialistische Dekoration. Hakenkreuzembleme und -fahnen zierten die Gebäude bei der Ankunft wichtiger NSDAP-Funktionäre und bei der Eröffnung neuer Strecken oder Bauabschnitte. Sie »schmückten« Lokomotiven und Wagen, etwa bei Fahrten von NS-Organisationen wie »Kraft durch Freude«, oder auch beim Ausflug mancher Eisenbahnervereinigung.

Nationalsozialistische Ideen machte sich nicht nur Reichsbahn-Generaldirektor Julius Dorpmüller zu Eigen, die Identifizierung mit der NSDAP reichte weit in die Eisenbahner-Belegschaft hinein. Die Reichsbahn sammelte für das Winterhilfswerk, das gegen Ende der 30er-Jahre von der Hilfe für Bedürftige auf Hilfe für den Krieg umschwenkte; es gab Eisenbahner-Spielmannszüge, deren Mitglieder Hakenkreuz-Armbinde und Stahlhelm trugen, und Reichsbahner, die ihr Dienstjubiläum mit Hakenkreuz-Flagge und Hitlers Buch »Mein Kampf« begingen.

Daneben musste die Reichsbahn zur Selbstdarstellung des Regimes herhalten, etwa bei den Olympischen Spielen 1936, als ausgewählte Dampflokomotiven olympische Ringe und Hakenkreuze auf den Seiten trugen. Im selben Jahr empfing Hitler den italienischen Diktator Mussolini und suchte ihn mit einem Sonderzug aus den neuesten Reisezugwagen zu beeindrucken.  

Mit Kriegsbeginn 1939 wurde die propagandistische Symbolsprache im Eisenbahnwesen erheblich reduziert. Alle »heiteren« Elemente aus der Lokomotiv-, Bahnhofs- und Stellwerksdekoration entfielen. Übrig blieben Hakenkreuze und – für die zweite Kriegshälfte symbolträchtig – Durchhalteparolen wie »Räder ­müssen rollen für den Sieg«.

Nach 1945 übrigens hatte die Eisenbahn als Propagandaträger in Deutschland noch nicht ausgedient. Das DDR-Regime fand für das Selbstlob in Sachen Anti­faschismus keine Grenzen, bemühte aber auch 40 Jahre lang die ganze Methodenvielfalt von Spruchweisheiten und verordneter Feierlaune an Lokomotiven.

Andreas Knipping/GM

Artikel aus Bahn Extra 04/09

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