Starke Loks und Pony-Wagen

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Einen ganz anderen Laufweg durch das Ruhrgebiet nahmen die Erzzüge zur Henrichshütte in Hattingen. Drei Züge täglich versorgten die beiden dort betriebenen Hochöfen mit bis zu 4.800 Tonnen Eisenerz. Der planmäßige Laufweg führte sie vorwiegend über Güterzugstrecken in ­einem großen Bogen über Bottrop Süd, Essen-Karnap, Wanne-Eickel Hbf, Bochum-Riemke und Wattenscheid-Höntrop ins Ruhrtal bei Essen-Steele und weiter über Bochum-Dahlhausen nach Hattingen. Bespannt waren sie grundsätzlich mit zwei Lokomotiven, wobei auf Dampfloks der Baureihe 044 und 050-053 sowie auf Dieselloks der Baureihe 216 zurückgegriffen wurde, die in beliebiger Kombination als Zug-, Vorspann- und Druckloks fungierten. 

Aufgrund umfangreicher Elektrifizierungsarbeiten im Raum Bochum mussten diese Züge 1973 und 1974 ab Oberhausen West weiträumig umgeleitet werden und nahmen den direkteren Weg über Essen-Frintrop Fbn, Essen-Dellwig Ost und Essen Hbf. Die Umleitungsstrecke war zwar deutlich kürzer als die Stammstrecke, aber wesentlich beschwerlicher. Infolge der eingleisigen Abschnitte und der Kreuzung der stark befahrenen Reisezuggleise der Bergisch-Märkischen Hauptstrecke mussten die schweren Züge häufig an geschlossenen Signalen anhalten. Die Anfahrt war jedes Mal beschwerlich und blockierte kreuzende Fahrstraßen bis zu zehn Minuten lang.  

Ende der Dampflok-Ära
Bis 1975 konnte man diese spektakulären Einsätze der Dampfloks beobachten. Zeitgleich mit dem Ende der Dampftraktion im Ruhrgebiet Mitte der 70er-Jahre machten sich die ersten Auswirkungen der Stahlkrise bemerkbar. Auch der Erzverkehr nahm deutlich ab, zumal sich die Stahlindustrie auf den Standort Duisburg nahe am Erzhafen konzentrierte. Die Hüttenwerke in Dortmund und Hattingen wurden in den nächsten Jahren geschlossen und die Anlagen in die Volksrepublik China verkauft. Nun sorgen sie im fernen Osten für einen dichten Erzverkehr auf der Schiene – allerdings auch dort nicht mehr mit Dampf.  

Dr. Dietmar Beckmann

Artikel aus Bahn Extra 06/09

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